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Zum Tod von Nicole Stéphane : Jede Menge verlorener Zeit

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Sie war die Frau, die ein Leben lang auf der Suche nach der verlorenen Zeit war. 1962 hatte Nicole Stéphane die Rechte an Prousts Roman erworben, und wahrscheinlich würde die Geschichte des Scheiterns ein eigenes Buch füllen.

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          Sie war die Frau, die ein Leben lang auf der Suche nach der verlorenen Zeit war. 1962 hatte Nicole Stéphane die Rechte an Prousts Roman erworben, und wahrscheinlich würde die Geschichte des Scheiterns ein eigenes Buch füllen. François Truffaut begründete seine Absage damit, dass kein wahrer Filmemacher die Madeleine wie eine Zitrone auspressen wollen würde. Auch Alain Resnais und Jacques Rivette waren mit dem Projekt befasst, und Joseph Losey arbeitete mit Harold Pinter an dem Projekt unter dem Namen "Proust", bis Präsident Giscard ihn fragte, ob er ernsthaft glaube, ein Mann aus Wisconsin könne Proust verfilmen. Mit Visconti kam Nicole Stéphane ihrem Traum immerhin etwas näher. Es heißt, bei ihrem ersten Treffen habe sie ausgerufen: "Sie haben alles gesagt, was ich hören wollte. Lassen Sie mich Ihnen einen Kuss geben!" Acht Monate schrieb Suso Cecchi d'Amico am Drehbuch, sechs Wochen fuhren sie durch Frankreich auf der Suche nach geeigneten Drehorten und wurden unter anderem in der Normandie in Guy de Rothschilds Schloss La Ferrière fündig, nicht zuletzt weil Nicole Stéphane als geborene Rothschild den Kontakt hergestellt hatte. Aber letztlich überstiegen Viscontis Vorstellungen die finanziellen Möglichkeiten der Produzentin, und so blieb von dem Traum am Ende nur die Teilverfilmung von "Swanns Liebe" durch Volker Schlöndorff.

          Aber die unerfüllten Träume bildeten nur den unsichtbaren Teil ihrer Karriere, deren sichtbare Erfolge beachtlich genug waren. 1946 hatte Jean-Pierre Melville Stéphane auf der Schauspielschule entdeckt und in seiner Vercors-Verfilmung "Das Schweigen des Meeres" besetzt, in der sie als Nichte mit ihrem Onkel dem um Verständigung bemühten deutschen Besatzer in ihrem Haus mit beharrlichem Schweigen Widerstand leistet. Erst als er sich an die Ostfront verabschiedet, spricht sie ihr einziges Wort: "Adieu!" Cocteau, der verzweifelt nach einer Besetzung für "Die schrecklichen Kinder" suchte, war begeistert, weil er in ihr genau die Züge erkannte, die er für die Rolle der Elisabeth mit dem Zeichenstift bereits entworfen hatte: "Die kleinsten Gesten von Nicole Stéphane haben die fürchterliche Kraft einer Elektra!" Ihren klaren Blick unter drahtigen Locken und ihren fast androgynen Reiz wird in der Tat keiner vergessen, der Melvilles Cocteau-Verfilmung gesehen hat.

          Sie spielte auch noch Madame Curie für Georges Franju, aber nach einem schweren Autounfall beschloss sie, ihre Karriere an den Nagel zu hängen und sich der Produktion zu widmen: Schon der erste Versuch mit Frederic Rossifs Dokumentation über den Spanischen Bürgerkrieg "To Die in Madrid" war für den Oscar nominiert. Die Sache war ihr schon deswegen ein Anliegen, weil sie 1942 auf der Flucht durch die Pyrenäen in Spanien inhaftiert worden war, ehe sie sich der Befreiungsarmee anschließen konnte. Es waren immer persönliche Projekte, die sie förderte und finanzierte: Rappenaus "Vie de chateau", Duras' erste Regiearbeit "Détruire, dit-elle" oder den Essayfilm ihrer damaligen Lebensgefährtin Susan Sontag "Promised Lands" und später "Waiting for Godot in Sarajevo". Am 14. März ist Nicole Stéphane im Alter von 83 Jahren gestorben. malt

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