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Zum Tod von Mickey Rooney : Der große kleine Mann Amerikas

Mickey Rooney 1957 während einer Probe für die Fernsehserie „George M. Cohan Show“. Bild: AP

Er spielte an der Seite von James Cagney und Audrey Hepburn, drehte insgesamt fast dreihundert Filme, verdiente und verlor einige Vermögen, hatte acht Frauen: Zum Tod von Hollywodd-Legende Mickey Rooney.

          3 Min.

          Er konnte singen, tanzen, schauspielern, beherrschte das Klavierspiel, trommelte, dass einem Sehen und Hören vergehen konnte, und wo auch immer er auftrat, mussten sich seine Mitspieler mächtig anstrengen, wenn sie mithalten wollten. Mitgehalten haben dann, in den berühmtesten Fällen, Judy Garland (in vier gemeinsamen Filmen mit Songs der Gershwin-Brüder), James Cagney, Dick Powell und Olivia de Havilland (in Max Reinhards Hollywood-Version des „Mittsommernachttraums“ von 1935, da war Rooney dreizehn und spielte den Puck), Elizabeth Taylor (in „National Velvet“, 1944) und auch Freddie Bartholomew, der andere Kinderstar bei MGM, mit dem Rooney zwischen 1936 und 1942 fünf Filme drehte, bis er ihn schließlich in „A Yank at Eaton“ in den Schatten stellte.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Was seinen Erfolg an den Kinokassen anging, so stach Mickey Rooney für eine Weile, etwa für die Zeit zwischen 1938 und 1944, alle aus. In der Beliebtheit bei den Kinobesitzern (die mit ihrem „Kassengift“-Verdikt damals Karrieren zerstören konnten) ließ er 1939 Tyrone Power, der unbedingt hübscher war, hinter sich, 1940 Spencer Tracy, der deutlich mehr Tiefgang zeigte, und 1941, trotz dessen unvergleichlicher Sexiness, Clark Gable. Bei alldem wurde Mickey Rooney nicht größer als 1 Meter 58, war stämmig mit einem Vierkantschädel auf seinem kurzen Hals – aber mit einem Charme und Talent als Entertainer gesegnet, die im zwanzigsten Jahrhundert einmalig waren.

          Heirat, Scheidung, Reichtum, Bankrott

          Die Amerikaner liebten ihn. Möglicherweise wussten sie, wie verlogen das Bild vom Kleinstadtamerika und den Werten einer anständigen Erziehung angesichts des Elends der Großen Depression tatsächlich waren, die seine Filme feierten, aber so wie Rooney als Andy Hardy in einer seiner berühmten Serien das spielte, wollten sie es gern glauben. Er begleitete sie durch schwere Zeiten, allein zwischen 1936 und 1944 spielte er in mehr als drei Dutzend Filmen mit. Später erlitt er schreckliche Niederlagen, weil er so klein blieb und den Übergang vom Jugendlichen, den er bis in seine späten Zwanziger spielte, zu erwachsenen Rollen erst mal nicht hinkriegte, rappelte sich aber immer wieder auf, zog mit einer Show über Land oder trat in Las Vegas auf.

          Er verlor mehrere Vermögen beim Spielen und bei Pferdewetten, verdiente aber immer wieder neue, er heiratete achtmal – zum ersten Mal Ava Gardner, zum letzten Mal die Sängerin Jan Chamberlin, seine Frau seit 1978 –, ging wieder bankrott, weil die Alimente astronomisch waren, erlebte ein Comeback am Broadway, da war er schon fast siebzig, und am Ende setzte er sich noch gegen seinen Stiefsohn durch, der dem alten Mann mit hässlichen Methoden offenbar viel Geld aus der Tasche ziehen wollte.

          90 Jahre auf der Bühne

          Fürs Kino spielte er, wahrscheinlich, weil er Geld brauchte, bis fast zuletzt: 2006 in „Nacht im Museum“ und 2011 noch im „Muppets“-Film. Und immer verbreitete er den Eindruck, er sei gut gelaunt, das all-american boy wonder an der Grenze zum Vulgären, absurd, ein Feuerwerk von showmanship und Professionalismus, das Bewunderung verdient, auch wenn es Abscheu hervorruft in Filmen, die süßlich waren, sentimental und oft unerträglich patriotisch. Sosehr er auch ein Wunder war, lächerlich war er in einer Vielzahl seiner Filme auch.

          Die charakteristische Körperhaltung hatte er schon mit fünf Jahren: Mickey Rooney, 1925

          Wahrscheinlich war Mickey Rooney der einzige Schauspieler, der tatsächlich sein ganzes Leben auf der Bühne oder bei Dreharbeiten verbrachte – „ich habe mein ganzes Leben gearbeitet“, sagte er einmal, „aber es fühlte sich länger an“. Im Alter von achtzehn Monaten tapste er zum ersten Mal auf die Vaudeville-Bühne, auf der seine Eltern auftraten, verkleidet als Zwerg im Smoking. Schon damals zeigte er ein derartiges Unterhaltungstalent, dass ein Einstieg ins noch relativ neue Filmgeschäft fast zwangsläufig schien.

          Er war kaum fünf, als er die erste Filmrolle spielte und in der Verkörperung von Mickey McGuire in annähernd achtzig kurzen Stummfilmen nach den Comic-Geschichten „Toonerville Trolley“ zum ersten Mal berühmt wurde. Damals hieß er zunächst noch Joseph Yule Jr. Unter diesem Namen war er am 23.September 1920 in Brooklyn geboren worden, seine Mutter eine Chorus-Tänzerin, sein Vater ein herausragender Komödiant in zweitrangigen Kabaretts. Joseph wurde Sonny genannt, seine Mutter taufte ihn später in Mickey McGuire um, bis der Erfinder des Comics Einspruch erhob.

          Mickey blieb, Rooney kam hinzu. Unter diesem Namen kennt ihn bis heute in Amerika jedes Kind. Unter diesem Namen schrieb er 1991 seine Autobiographie: „Life is Too Short“. Jetzt ist Mickey Rooney im Alter von 93 Jahren in Kalifornien gestorben.

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