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Zum Tod von Michel Serres : Der Philosoph als Bote

Michel Serres, 1930 bis 2019 Bild: dpa

Ein Philosoph nach seinem Bild hatte viel zu wissen und in Fühlung mit den Wissenschaften zu sein. So wurde Michel Serres, der am Samstag verstarb, zum Meister der Übergänge und Verbindungen.

          2 Min.

          Gerade erst war eines der jüngsten schmalen Büchlein von Michel Serres auf Deutsch erschienen. Es ist ein kleines Pamphlet gegen die „grands-papas ronchons“, die Meckergreise, welche jungen Leuten mit der Maxime kommen, dass früher alles besser war. Das ist nun zwar eigentlich keine Ansicht, die eine Auseinandersetzung lohnt. Weil der 1930 geborene Philosoph und Wissenschaftshistoriker aber bereits eine Art von Großvatereffekt für sich verbuchen konnte (so nannte das Hans-Georg Gadamer in seinen Neunzigern), nahm er es trotzdem mit den Meckerern auf: ein alter, der Zukunft hoffnungsvoll zugewandter Weiser, der einmal mehr „Däumelinchen“ als Vertreterin der Generation der Enkel zur Seite springt, gegen rückwärtsgewandte Grantler.

          Helmut Mayer
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

          Was Serres ihnen entgegenhält, sind nicht zuletzt eine ganze Reihe von technischen und von der Wissenschaft hervorgebrachten Lebenserleichterungen: natürlich auch Computer, Handy und Internet. Schon klar, dass sich das, was in den sozialen Netzwerken so abläuft, nicht umstandslos ins Bild des Fortschritts einfügen lässt. Aber das ändert für Serres nichts am entscheidenden Gewinn, den die flache Hierarchie des Internets darstellt: Wo einst nur wenige Sender das Sagen hatten, die mit ihren ideologischen Vorgaben Lebenswege auf enges Terrain einschränkten, da sei heute eine Gesellschaft erreicht, in der jeder Sender und Empfänger ist.

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