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Zum Tod von Etta James : Vom langen Weg zum blauen Himmel

Etta James (1938 - 2012) Bild: REUTERS

Bei Obamas erstem Ball im Weißen Haus wurde ihr größter Hit gespielt. Sie selbst wird „At Last“ nie wieder singen. Zum Tod der großen Blues und Soulsängerin Etta James.

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          Es gibt Menschen, die sich wünschen, „I’d Rather Go Blind“ würde zu ihrer Beerdigung gespielt, eines der vielen großen Lieder der noch viel größeren Etta James, und es sind dieselben, die sagen, dass sogar nie eine größere Sängerin des Soul und Blues geboren wurde (das war am 25. Januar 1938, in Los Angeles). Etta James wiederum hätte sich gewünscht, sie selbst hätte, als Präsident Obama zu seiner Inauguration einen Ball im Weißen Haus gab, dort ihren größten Hit „At Last“ gesungen - und nicht Beyoncé Knowles.

          Tobias Rüther

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Und man versteht das sofort, man versteht es sogar ganz genau, wenn man sich das Lied jetzt noch einmal anhört, ursprünglich in den vierziger Jahren eingespielt von Glenn Miller, dann, 1960, von Etta James noch einmal und eigentlich zum ersten Mal gesungen: Wie Etta James sich selbst, in den ersten Takten, von diesen zwei Worten „At Last“ in den Song hineintragen lässt, ohne sich in die weichen Streicher fallen zu lassen, wie es eigentlich nämlich exakt darum geht - dass zwar endlich, „at last“, die Liebe und das Glück in ihr Leben gekommen sind und der Himmel blau ist, dass aber genug davor geschehen ist und der Weg lang genug war, um all das nicht in diesem Glück ganz und gar zu vergessen.

          Und war nicht das auch der Obama-Moment, damals im Januar 2009? Etta James’ eigener Weg begann also in Los Angeles, ihre Mutter war ein Teenager, wer ihr Vater war, wusste Etta lange nicht, der Weg führte sie durch Kirchenchöre zu Mädchenbands und durch die fünfziger und sechziger Jahre, in denen sie zu einem der ersten weiblichen schwarzen Popstars Amerikas wurde, er führte sie dann wieder und wieder durch Entzugskliniken, aber eben auch 1993, nach einer Karriere, in der sie oft zwischen den Stilen gewechselt hatte, in die Rock ’n’ Roll Hall of Fame - und 2001 genauso in die Blues Hall of Fame. Viele Menschen, hat Etta James einmal gesagt, hielten den Blues für eine traurige Angelegenheit: „Wenn ich den Blues singe, dann singe ich das Leben.“ Am Freitag ist Etta James in Los Angeles gestorben. Man kann sich ziemlich sicher sein, was zu ihrer Beerdigung gespielt wird. Oder, schon jetzt, zu ihrer Erinnerung.

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