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Zum Tod von Edith Hancke : Die Bilderbuchberlinerin

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Berliner Pflanze: Edith Hancke, Charlottenburgerin, bemühte sich nie ums gepflegte Hochdeutsch. Das wurde ihr Markenzeichen. Bild: Picture Alliance

Mit ihrem übers Reibeisen gehobelten Sopran erheiterte sie die Nachkriegsrepublik: Am Donnerstag starb die beliebte Schauspielerin in ihrer Geburtsstadt.

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          Die Schauspielerin Edith Hancke ist mit 86 Jahren in
          Berlin gestorben. Das bestätigte das Berliner Theater am
          Kurfürstendamm der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag.

          An der Schauspielschule war die gebürtige Berlinerin einst „wegen
          Talentlosigkeit“ durchgefallen, was ihrer späteren Karriere kaum schadete. Im Jahr 1949 hatte sie mit der Rolle der Adelheid in Erich Engels Filmadaption von Gerhard Hauptmanns „Biberpelz" ihr Kinodebüt. Sie spielte in vielen erfolgreichen Filmen mit, unter anderem „Der Raub der Sabinerinnen“, neben Heinz Rühmann in „Der Hauptmann von Köpenick“. Legendär ist auch ihre Rolle als Fahranfängerin in dem Heinz-Erhardt-Film „Natürlich die Autofahrer" (1959). Oft sah man sie in komischen Rollen auf der Leinwand, beispielsweise 1962 in der Titelrolle des Klassikers „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett". Eine wiederkehrende Rolle spielte sie als Trudi Plischke, Mitglied des Stadtrates, in der Serie „Familie Hesselbach“.

          Auch auf den Theaterbühnen war sie aktiv, mehrfach erhielt sie den „Goldenen Vorhang“ für die beliebteste Berliner Schauspielerin. In den Nachkriegsjahren avancierte Hancke mit dem charakteristischen Berliner Idiom schnell zu einer gefragten Darstellerin. Zu den Highlights und Dauerbrennern ihrer Theaterlaufbahn wurden dabei die Curth Flatow-Stücke „Mutter Gräbert macht Theater" und „Das Fenster zum Flur". Noch 2003 stand sie als Anni Wiesner in letzterem Stück in der Komödie Winterhuder Fährhaus in Hamburg auf der Bühne und ging 2004 auf Tournee.  Das Alter und das Altern waren für Hancke auch ein Bühnen-Thema. So war sie war sie unter anderem in dem Stück „Herbstzeitlose“ über eine Senioren-WG zu sehen. Probleme von Älteren, etwa die Einsamkeit, seien auch Themen für Theaterstücke.

          Zwei Jahre lang war sie außerdem Mitglied des Kabaretts „Die Stachelschweine“. Ein besonderes Merkmal war ihre helle, kratzige Stimme – Folge einer missglückten Mandeloperation, der sie sich im Alter von acht Jahren unterziehen musste. Als Synchronsprecherin sprach sie in der Serie „Die Dinos“ das Baby Sinclair, Ihre Sätze „Nicht die Mama!“ und „Nochmal!“ wurden sprichwörtlich. Seit 1972 war Hancke mit dem Schauspieler Klaus Sonnenschein verheiratet.

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