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Zum Tod von Assia Djebar : Auf Französisch schreiben, auf Arabisch beten

Französische Schriftstellerin mit algerischen Wurzeln: Assja Djebar Bild: Picture-Alliance

Sie suchte nach dem Platz, den Frauen in der arabischen Gesellschaft einnehmen können und kämpfte für eine demokratische Erneuerung Algeriens: Die Schriftstellerin und Historikerin Assja Djebar ist gestorben.

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          „Ich wurde in einem muslimischen Glauben erzogen, der seit Generationen der Glauben meiner Vorfahren ist, der mich emotional und geistig geprägt hat und gegen den ich mich, eingestandenermaßen, auflehne wegen seiner Verbote, aus denen ich mich bisher nicht völlig lösen konnte“:  Als Assia Djebar diese Sätze formulierte, war sie eine durchaus anerkannte, in Frankreich nicht besonders bekannte Autorin. Sie stammen aus ihrer Rede in der Paulskirche in Frankfurt, wo ihr im Jahre 2000 der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen wurde. Ihr literarisches Werk wurde zu diesem Zeitpunkt seit gut einem Jahrzehnt vom Züricher Unionsverlag auf exemplarische Weise gepflegt und vermittelt. Die renommierte Auszeichnung war eine Anerkennung, wie sie Assia Djebar zuvor nicht beschieden war, und beflügelte ihre internationale Rezeption – auch in Frankreich.

          Jürg Altwegg
          Freier Autor im Feuilleton.

          Geboren wurde die Schriftstellerin als Fatima-Zohra Imalayène am 30. Juni 1936 in Cherchell bei Algier. Die Imalayènes waren eine Grossfamilie, die Mutter eine Berberin. Der Vater arbeitete als Lehrer in einer Schule der Kolonisatoren und war Sozialist. Sie besuchte gleichzeitig die Koranschule und die französische Schule. Der Vater erlaubte ihr ein Leben ohne Schleier und ermöglichte ihr das Studium. Ihre Kindheit zwischen den Zwängen der Tradition, den Verboten – die auch jene des Vaters sein konnten – und der Emanzipation durch die Bildung beschreibt sie in „Fantasia“, einem 1985 erschienenen Roman.

          Assia Djebar war die erste algerische Studentin an einer französischen Eliteschule, ab 1955 besuchte sie die Ecole Normale Supérieur und studierte Geschichte. Damals prägte sie das Milieu des linken Kampfs gegen den Kolonialismus. Sie beteiligte sich an einem Streik und wurde von der Schule gewiesen. In Algerien heiratete sie den Freiheitskämpfer Walid Garn, ging mit Ihm  ins Exil nach Tunesien, wo sie das Studium der Geschichte abschloss und selber unterrichtete. Sie arbeitete als Journalistin und bekam einen Lehrauftrag an der Universität von Rabat. Nach der Unabhängigkeit Algeriens 1962 kehrte sie in die Heimat zurück und wirkte als Dozentin in Algier.

          Französisch als Sprache des Denkens

          Assia Djebar ist ein Pseudonym, das sie vor der Veröffentlichung ihres ersten Romans „Durst“ wählte, um ihre Familie zu schützen. Nach ihrer Scheidung heiratete sie den Schriftsteller Malek Alloula und lebte fortan weitgehend in Paris. Regelmäßig besuchte sie Algerien – doch während des Bürgerkriegs in den neunziger Jahren waren die Besuche unmöglich geworden. Sie war mehrere Jahre lang Dozentin in den Vereinigten Staaten.

          Assia Djebar hat auch bemerkenswerte Filme in arabischer Sprache gedreht. Sie hinterlässt ein umfassendes belletristisches und essayistisches Werk, dessen thematische Schwerpunkte die Stellung der Frau in den islamischen Ländern und das Schreiben in einer fremden Sprache sind. „Ich schreibe“, sagte sie in ihrer Rede zum Friedenspreis, „doch auf Französisch, in der Sprache des ehemaligen Kolonisators, die jedoch, und zwar unverrückbar, zur Sprache meines Denkens geworden ist, während meine Sprache der Liebe, des Leidens und auch des Gebets – manchmal bete ich – das Arabische, meine Muttersprache, ist. Und da ist noch die berberische Sprache meiner Heimatregion, eine Sprache, die ich nicht vergessen kann, deren Rhythmus mit stets gegenwärtig ist, in der ich, ohne es zu wollen, in meinem Innern „nein“ sage: als Frau und vor allem in meinem andauernden  Bemühen als Schriftstellerin.“

          Nicht als erste Frau, aber als erster Schriftsteller des Maghreb wurde sie 2005 in die „Académie française“ der vierzig Unsterblichen aufgenommen. Ihre Werke sind inzwischen in über zwanzig Sprachen übersetzt worden. Sie wurde regelmäßig zu den aussichtsreichsten Kandidaten für den Nobelpreis gezählt. Die Nachricht von ihrem Tod kam aus Algerien. Heute Morgen berichtete „El Watan“ unter Berufung auf die Familie, dass die Schriftstellerin am Freitagabend in einem Pariser Krankenhaus gestorben sei.

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