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Zum Tod des Verlegers Armin Abmeier : Wer suchte wie er, der fand überreichlich

Armin Abmeier auf einer Zeichnung von Rotraut Susanne Berner Bild: Rotraut Susanne Berner

Armin Abmeier war der Nestor der deutschen Illustratorenszene, ein nimmermüder Ratgeber, Herausgeber und Geldgeber. Jetzt ist er im Alter von 72 Jahren gestorben.

          Armin Abmeier war ein Überzeugungstäter, schon zu seinen Zeiten in den siebziger und achtziger Jahren als freier Vertreter für so namhafte deutsche Verlage wie Hanser, Greno, Steidl, Schirmer/Mosel oder Maro. Wer sich auch nur ein bisschen für die Herstellungsqualität von Büchern interessiert, der weiß, dass diese Aufzählung ausschließlich Unternehmen enthält, die größte Sorgfalt auf die Gestaltung ihrer Titel verwandten. Andere Bücher hätte Abmeier gar nicht vertreten wollen. Wofür hatte er sich denn nach jahrelanger Verlagstätigkeit selbständig gemacht?

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Armin Abmeier war ein unermüdlich Suchender. Als er vor dreißig Jahren nach New York kam, entdeckte er dort eine Zeitschrift namens „Raw“. Darin hatte Art Spiegelman die weltweiten Vertreter einer Comic-Avantgarde versammelt, die mit Bildergeschichten etwas anstellten, was man noch nie gesehen hatte. Dort lernte Abmeier Zeichner wie Gary Panter oder Mark Beyer kennen, die nicht nur sein Pantheon an Illustratoren erweiterten, sondern auch das an Erzählern. Und weil Abmeier ein Überzeugungstäter war, brachte er das Werk dieser Künstler mit nach Deutschland, publizierte es, wo es eben ging, und verschaffte ihnen so Aufträge als Illustratoren - und als Erzähler. Wofür hätte er sonst seine eigene Buchreihe bei Maro gegründet, die sich programmatisch „Das tolle Buch“ nannte?

          Ein Buch- und Bildermensch

          Armin Abmeier war der Nestor der deutschen Illustratorenszene, ein nimmermüder Ratgeber, Herausgeber, Geldgeber, Achtgeber. Aber kein Nachgeber. Sein Qualitätsbewusstsein wurde ebenso respektiert wie seine Kompromisslosigkeit. Weil Abmeier ein Suchender war, hatte er niemals genug Publikationsmöglichkeiten für all seine Favoriten. Also mussten sie auch immer wieder lange auf eine Publikation in den „Tollen Büchern“ oder deren Nachfolgereihe, den seit 1991 halbjährlich erscheinenden „Tollen Heften“, warten: weil immer neue Entdeckungen dazu kamen. Worauf hätte es sich aber mehr zu warten gelohnt, als auf einen Platz in dieser Künstlerriege (Wolf Erlbruch, Rotraut Susanne Berner, Volker Pfüller, Yvonne Kuschel, Atak, Sophie Dutertre, Blexbolex, Franziska Neubert, Christoph Niemann, Anke Feuchtenberger, Axel Scheffler, um nur einige zu nennen) und auf die damit verbundene handwerklich perfekten Herstellung des jeweiligen Hefts als Original-Flachdruckgraphiken?

          Armin Abmeier war also, ungeachtet seiner fanatischen Liebe speziell zur amerikanischen Literatur, ein Mann des Auges, ein Bildermensch, wie er im Buche steht. Das muss man wörtlich nehmen, denn ihm sind ganze Bücher gewidmet - nicht einfach in Form zu Zueignungen, sondern als Liebesgaben der Zeichner, um deren Werk er sich verdient gemacht hat. Erst im vergangenen Herbst kam „Charakter ist nur Eigensinn“ heraus, ein Tolles Heft, für das er die ihm liebsten Aphorismen seiner Lieblingsautoren zusammentrug, und seine Lieblingszeichner illustrierten diese Auswahl. Weil Abmeier ihr Nestor war, konnten sie ihm so einen Teil des überfälligen Danks abstatten. Was hätten sie auch anderes tun sollen, nachdem er schwer erkrankt war?

          Armin Abmeier war ein Freund. Er war es für alle, die seine Leidenschaft teilten. Für sie hatte er 2010 in seinem Wohnort München die „Tolle Galerie“ eröffnet, in einem Ladenlokal vor der eigenen Wohnung, wo er mit Rotraut Susanne Berner zusammenlebte - als das Traumpaar der deutschen Illustration. Weil Abmeier ein Bildermensch war, führte ihn sein letzter Ausflug noch im vergangenen Monat auf den Comicsalon in Erlangen. Es war ein Abschied von der Erzählform, die vor dreißig Jahren seinen Glauben an die Vorreiterrolle der Literatur erschüttert hatte. Was sollen wir nun tun, wir, die anderen Bücher- und Bildermenschen im Land, nachdem dieser Überzeugungstäter, Suchende, Nestor, Freund gestern im Alter von zweiundsiebzig Jahren in München gestorben ist?

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