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Zum Tod des Schauspielers Vadim Glowna : Der Geschichtenerzähler

  • -Aktualisiert am

Vadim Glowna (26. September 1941 bis 24. Januar 2012) Bild: dapd

Für das breite Publikum war Vadim Glowna der Fernseh-Bösewicht. Über Jahrzehnte hinweg bestach er aber durch die Vielseitigkeit seiner Rollen und Regiearbeiten. Nun ist er in Berlin gestorben.

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          „Mit dem Ponem wollen Sie zur Bühne? Lernen Sie lieber kochen!“ Das sagte der Direktor des Stadttheaters von Olmütz, als ihm die junge Tilla Durieux vorsprach. Grandioser hätte er nicht irren können: Sie wurde bekanntlich eine Schauspiellegende des 20. Jahrhunderts.

          In den sechziger Jahren wäre keinem deutschen Intendanten der jiddische Begriff Ponem (Gesicht) über die Lippen gekommen. Aber das Gesicht des Anfängers Vadim Glowna dürfte mehr als einmal ähnlich abfällige Ratschläge provoziert haben. Nur nicht den zum Koch, denn Glowna, aufgewachsen in Hamburger Trümmervierteln und ein notorischer Ausreißer, war schon Matrose, Hotelpage, Taxifahrer, Theologiestudent und Journalist gewesen.

          Aber er hatte das Glück, bald einem Regisseur gegenüberzustehen, der nicht seine knorplig große, gebrochene Nase, die extrem breiten Züge und das dünnen Blondhaar, sondern die enorme Begabung sah: Gustaf Gründgens engagierte Vadim Glowna für sein Hamburger Schauspielhaus.

          Ein Ensemblespieler erster Güte, war er bald auch im Film und auf dem Bildschirm präsent. Wieder half ihm ein Großer: Johannes Schaaf engagierte ihn 1965 für „Im Schatten der Großstadt“. International machte Glowna 1976 in Sam Peckinpahs „Steiner. Das Eiserne Kreuz“ durch sein feinnerviges Spiel auf sich aufmerksam, was ihn zu Claude Chabrol („Stille Tage in Clichy„) und in die französischen Filme Romy Schneiders brachte.

          Nach Dutzenden hiesigen, wahrlich nicht immer künstlerisch herausragenden Filmen, hatte sich Vadim Glowna dennoch Respekt als verlässlicher eigenwilliger Könner verschafft, der „Papas Kino“ überwinden helfen könne. Hanns Zischler ausgenommen, prägte sich wohl niemand so wie er – vor allem durch „Gruppenbild mit Dame“ (1977), wo er als einer von wenigen darstellerisch nicht in Böll-Ehrfurcht erstarrte, dann mit „Deutschland im Herbst“ (1978) – dem Publikum als schauspielernder Intellektueller ein.

          Pulsierend vor wütender Lebenslust

          Gemeinsam mit seiner damaligen Frau Vera Tschechowa, die „Papas Kino“ in typischer schreiender Dummheit als „ katzenäugige Sexmieze“ verramscht hatte, produzierte Vadim Glowna 1980 „Desperado-City„, seinen Debütfilm auch als Regisseur, der in Cannes die Goldene Palme errang. Düster wie „Deutschland im Herbst“, wurde der Film doch zu dessen Kontrapunkt: Die Geschichte vom Studenten, der seinen Ekel vor dem korrupten reichen Elternhaus, seine Flucht ins Hamburger Rotlichtmilieu und einen bewaffneten Banküberfall, der ihm Ersatz für Revolution ist, mit dem Leben bezahlt, pulsiert vor wütender Lebenslust.

          Was Glowna da „auf die Leinwand geschleudert“ habe, sei „imponierend und stark“, urteilte die deutsche Kritik. Einen vergleichbar großen Erfolg gab es nicht mehr, dafür aber eine stattliche Reihe von Spiel- und Fernsehfilmen, in denen er teils als Regisseur, teils als Schauspieler glänzte, so neben Hannelore Elsner in „Die Unberührbare“, was ihm 2000 den Preis der deutschen Filmkritik als „Bester Darsteller„ eintrug, oder 2004 als grauenerregend zwischen Verdrängen, Selbsthass und krankhafter Autoritätssucht changierendes Vatermonster in Oskar Roehlers „Agnes und seine Brüder“.

          Auch zur Bühne kehrte Vadim Glowna 2003 nach langer Abwesenheit zurück: Im Berliner Deutschen Theater spielte er unter Peter Zadek neben Agnes Winkler, Susanne Lothar, Karl Friedrich Praetorius und anderen Theatergrößen den vom Kriegs- und vom Sexfuror getriebenen Koch in Brechts „Mutter Courage“. Zuletzt sah man ihn als Kardinal im Fernsehspektakel „Die Borgias“, bannend selbst in diesem Massenaufgebot.

          Zum 65.Geburtstag erschien 2006 seine Autobiographie: „Der Geschichtenerzähler“ hatte er sie betitelt. Am vergangenen Dienstag ist Vadim Glowna im Alter von 70 Jahren gestorben.

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