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Noah Gordon gestorben : Auf Studienreise bis nach Persien

Noah Gordon Bild: EPA

Sein Weltbestseller „Der Medicus“ begründete ein ganzes Genre im historischen Roman: Zum Tod des amerikanischen Autors Noah Gordon.

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          In einem Aufsatz, den er für den Katalog einer Speyerer Ausstellung zur Medizingeschichte schrieb, erinnerte sich Noah Gordon an seine Anfänge als Schriftsteller. Den Hauptteil seiner Ausführungen allerdings nehmen Schilderungen seiner Erfahrungen in medizinischen Berufen ein: wie er als junger Journalist in Boston bei Obduktionen dabei war, wie er als medizinischer Fachjournalist arbeitete und später als freiwilliger Rettungssanitäter. Ganz am Ende heißt es, er habe sich dann in der Lage gesehen, „die eine Geschichte des jungen Mannes Rob zu schreiben“, weil er dafür auf eine „Vielzahl von Erinnerungen“ zurückgreifen konnte.

          Tilman Spreckelsen
          Redakteur im Feuilleton.

          „Medicus“, der Titel besagter Speyerer Ausstellung (F.A.Z. vom 13. Januar 2020) orientiert sich an Noah Gordons Weltbestseller um den englischen Waisenjungen Rob Cole, der im 11. Jahrhundert an einen Bader gerät und von ihm eine Profession erlernt, die irgendwo zwischen Scharlatanerie und bescheidener Heilkunde angesiedelt ist. Als der Bader stirbt, findet Rob seinen Weg, der ihn bis nach Persien führt. Unterwegs nimmt er verschiedene Ansätze medizinischer Behandlungsmöglichkeiten auf, unternimmt aber zugleich eigene Forschungen und erweist sich damit als ein gegenüber seinen Zeitgenossen ungleich wissbegierigerer angehender Arzt, der sich das Beste aus den unterschiedlichen therapeutischen Konzepten aneignet.

          „The Physician“ erschien 1986 im Original und wurde vor allem in Deutschland unter dem Titel „Der Medicus“ zum Bestseller, der zahllose Nachahmer fand. Gordon, dessen erster Roman „Der Rabbi“ 1965 erschienen war, widmete der von Rob Cole ausgehenden Ärztedynastie zwei weitere Romane.

          Um ein in alle Richtungen durch Quellen abgesichertes Bild ging es Gordon nicht, auch wenn er für seine Bücher umfangreiche Studien betrieb und so auf sehr viel mehr zurückgreifen konnte als nur auf eigene medizinpraktische Anschauungen. Für das Genre des historischen Romans, in das er seine Bestseller stellte, wirkte er als Erneuerer, auch wenn er die Raffinesse etwa von Umberto Ecos sechs Jahre vor dem „Medicus“ erschienenen Roman „Der Name der Rose“ gar nicht anstrebte. Am Montag ist Gordon kurz nach seinem 95. Geburtstag gestorben.

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