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Zum Tod von Shere Hite : Warum Männer Frauen nicht gerecht wurden

Shere Hite 1996 in Frankfurt Bild: dpa

So einfach ist das nicht mit dem vaginalen Orgasmus: Mit ihren Erhebungen zur Sexualität klärte Shere Hite gängige Missverständnisse auf. Jetzt ist die Forscherin gestorben.

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          Erweiterungen der Kenntnisse darüber, was sich in sexualibus eigentlich so tut, mögen sich im Fortgang der Lebensgeschichte ergeben. Aber solcher Erfahrungszuwachs hängt von mancherlei biographischen Zufällen ab. Zumindest war das so vor der Epoche des Internetzeitalters. Die Kenntnisse mit einem Schlag zu erweitern war damals noch die Sache von Büchern, von sexualwissenschaftlichen Untersuchungen, wie sie in den Vereinigten Staaten nach 1945 herauskamen, etwa von Alfred Kinsey oder William H. Masters und Virginia Johnson.

          Helmut Mayer
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

          Mit ihnen legte sich Mitte der siebziger Jahre eine Frau an, die zuvor in New York City ein „Feminist Sexuality Project NOW“ gegründet hatte. Shere Hite, die Geschichte studiert, aber ihr Postgraduate-Studium später abgebrochen hatte, erkannte zwar die Vorläuferrolle dieser Sexualwissenschaftler an, konstatierte aber unzulässige Parteinahmen, insbesondere zugunsten des vaginalen Orgasmus bei Frauen. Mit dem aber, so ließen sich ihre Befragungen von Frauen resümieren, sei es gar nicht weit her, im Gegensatz zur leicht erreichbaren klitoralen Lust. Was nur ein Punkt, wenn auch ein wichtiger war, warum nach den von ihr ausgewerteten Berichten die meisten Männer ihren Frauen – die sich häufig auch außerehelich umsahen – nicht gerecht wurden.

          Die Wirkung ihres ersten „Hite-Reports“, der als „Nationwide Study of Female Sexuality“ auftrat, war durchschlagend, das Buch wurde in vielen Sprachen zum Bestseller. Von sogenannter konservativer Seite wurde sie dafür mit Polemik überzogen, während Wissenschaftler darauf hinwiesen, dass sie bei Erstellung und Auswertung ihrer Fragebögen offenbar schon die Ergebnisse im Sinn gehabt hatte.

          Desaströses Abschneiden

          Nach einem „Hite-Report“ zur männlichen Sexualität (1981) folgte dann „Women and Love“ (1987), in dem die zu wenig einfühlsamen und gesprächsbereiten Männer nachgerade desaströs abschnitten. Mit ihren später erschienenen Büchern, darunter auch autobiographische, konnte sie nicht mehr an diese Erfolge anschließen.

          Ende der achtziger Jahre zog Shere Hite mit ihrem damaligen Ehemann, einem deutschen Pianisten, nach Europa und lebte schließlich – seit 1996 als deutsche Staatsbürgerin – hauptsächlich in Paris und in London, wo sie am vergangenen Mittwoch im Alter von 77 Jahren gestorben ist.

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