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Zum Tod Andrew Breitbarts : Der Mann, der es genoss, sich Feinde zu machen

  • -Aktualisiert am

Andrew Breitbart (1969 - 2012) Bild: REUTERS

Die stetige Ausweitung der politischen Kampfzone in den Vereinigten Staaten war seine Mission. Zum Tod des konservativen Bloggers Andrew Breitbart.

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          „Big“ war sein Lieblingsschimpfwort. Seine ersten Blogs nannte er „Big Journalism“, „Big Government“ oder auch „Big Hollywood“, und darin wurde er nicht müde, Attacken gegen alles in Amerika zu reiten, was ihm nicht auf seine erzkonservative Line passte. Andrew Breitbart war als Blogger, der eine Gemeinde von Hunderttausenden von Usern um sich versammelt hatte, einer der schärfsten Kritiker amerikanischer Politiker und Medien, die ihm irgendwie links oder linksliberal vorkamen.

          In seinem Kampf gegen sie scheute er auch keine unlauteren Mittel. So schnitt er ein Video, das die Rede von Shirley Sherrod, einer Beamtin des Landwirtschaftsministeriums, dokumentierte, derart krass zusammen, bis sich die Aussage in ihr Gegenteil verkehrt hatte. Seinem Ruhm und Ruf in konservativen Kreisen, die ihn als einer ihrer medialen Berserkerhelden verehrten, tat das keinen Abbruch. Einen seiner größten Triumphe feierte er mit der Veröffentlichung anzüglicher Fotos des demokratischen Abgeordneten Anthony Weiner aus New York, der deswegen sein Mandat aufgeben musste.

          Furchtlos und streitbar

          Für viele Amerikaner spiegelte sich in Breitbarts Karriere der Verfall des politischen Diskurses ihres Landes. Politik war für ihn ein Kampfsport, bei dem es nur Verlierer und Gewinner geben konnte. Darum waren ihm Gerüchte wichtiger als Nachrichten, und Nachrichten verwandelte er in Polemiken. Breitbart.com folgte dabei dem Drudgereport, einem konservativen Nachrichten-Aggregator, der für ihn richtungweisend war. Dort ist jetzt zu lesen: „Wir waren beide verliebt in Schlagzeilen, in Nachrichten und waren brennend daran interessiert, was gerade passierte.“ Auf Breitbart.com hat sich sein Mitstreiter Jonah Goldberg zu Wort gemeldet: „Einer der furchtlosesten Menschen, die ich kannte.“

          In seinem Buch „Righteous Indignation“ schrieb er: „Ich liebe meinen Job. Ich liebe es, für das zu kämpfen, woran ich glaube. Ich liebe es, Spaß an dem zu haben, was ich tue. Ich liebe es, Berichte über das zu liefern, worüber der ‚Komplex’ zu berichten sich weigert. Ich liebe es, zurückzuschlagen, ich liebe es, Alliierte zu finden und – ganz besonders - genieße ich es, mir Feinde zu machen.“
          In Los Angeles ist Andrew Breitbart jetzt gestorben. Er war dreiundvierzig Jahre alt.

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