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Unisex-Toiletten : Eines für alle

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Als Klotüren noch mit Herzen markiert wurden, durfte einfach jeder rein, der eins besaß. (Bis auf den Hund.) Bild: dpa

Wer darf welches Klo benutzen? Diese Debatte schlägt hohe Wellen – dabei ist dem Deutschen doch etwas anderes auf der Toilette traditionell viel wichtiger.

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          Wer glaubt, der Deutsche hätte zu Autos ein manisches Verhältnis, hat noch nicht zu Toiletten recherchiert. Autos sind international austauschbar, es kann auch mal ein Franzose sein oder ein Japaner, vier Reifen haben sie alle. Aber bei Toiletten geht Deutschland einen eigenen Weg: Kein anderes Volk legt so viel Wert auf das Modell Flachspüler, eine Art Exkrement-Etagère. Sie und nur sie ermöglicht es dem Benutzer, sein Schaffen zu begutachten, ehe es im Orkus verschwindet.

          Andere Nationen ziehen den Tiefspüler vor, auch wegen der geringeren olfaktorischen Belästigung. Nicht so der Deutsche! Hierzulande ist die Toilette mehr als einfach nur Abort. Sie erfüllt sämtliche Funktionen eines Gesundheitstests, einer Leistungsbilanz, eines Chemiebaukastens und einer selbstbeobachtenden Meditation. Die positiven Auswirkungen auf die mentale Stabilität der Bevölkerung lassen sich gar nicht hoch genug bemessen. Alle Änderungen in diesem wichtigen Lebensbereich, die über einen Wechsel der Klopapierrolle hinausgehen, sind nicht gern gesehen.

          Das gilt auch für die Hochschulen, deren Studierende All-Gender-Toiletten fordern. Wer sich nicht eindeutig einem Geschlecht zuordnen kann, soll sich nicht am Scheideweg Klotür entscheiden müssen, und wessen äußere Erscheinung mit dem gefühlten oder biologischen Geschlecht nicht übereinstimmt, der soll keine befremdeten Blicke ertragen müssen. Die Freie Universität Berlin allerdings verweigert sich dieser Idee, und die Alice-Salomon-Hochschule in Berlin-Hellersdorf wurde nach der Einführung von einem – pardon, wenn es doch gar so gut passt – Shitstorm in den sozialen Medien überrascht. Dabei ist es gar nicht notwendig, neue Toilettenräume zu schaffen; ein paar der alten zu Unisex-Klos umzuwidmen, würde völlig ausreichen.

          Nun könnte man argumentieren, die gemischtgeschlechtliche Nutzung von Toiletten benachteilige Frauen, die sich nämlich nirgends hinsetzen wollen, wo zuvor ein Mann stand. Die Wahrheit ist: Seit etwa hundert Jahren hat sich keine vernunftbegabte Frau mehr vertrauensvoll auf eine öffentliche Toilette gesetzt. Die einzige Ausnahme bildet wahrscheinlich Charlotte Roche, aber sie musste über diesen Thrill ja auch gleich ein Buch schreiben. Wer die Toilette also nutzt, Männer, Frauen oder alles dazwischen: Es ist völlig gleichgültig. Hauptsache, die Etagère steht.

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