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Zum Stand der Dinge : Wohin steuert die zeitgenössische Kunst?

  • -Aktualisiert am

Gebasteltes aus den Computern

Darüber sind wir längst hinaus. Die Gegenwartskunst hat sich bewiesen, hat ihre großen Figuren, die immer noch wirken. „Die Gefahr des Gefahrlosen“ ist nicht mehr aktuell, nur noch in der schieren verfügbaren Masse ein Thema. Die Kunst heute ist von vielen alten Fesseln befreit. Sie hat sich neue angelegt, wie den globalen Kunstmarkt und seine harten Regeln. Jede neue Begrenzung aber inspiriert aufs Neue das Spiel mit den Übertretungen, das nicht allein inhaltlich orientiert sein kann, sondern auch formale Kühnheit inspiriert. Neue Maschinen wie die Computer spendieren auch neue Gelegenheiten, gegen Gebrauchsanweisungen gezielt zu verstoßen.

Leider aber schmiegt sich allzu viel vorhandene Computerkunst diesen Gebrauchsanweisungen opportunistisch an und ist so entweder technisch zu abgehoben oder ästhetisch zu plump. Wird es je einen „Die Treppe heruntersteigenden Akt“, einen „Ulysses“ oder eine „Verklärte Nacht“ der digitalen Epoche geben? Nicht, solange man in digitalem Dekor und retrofuturistischer Atmosphärik steckenbleibt.

In die entgegengesetzte Richtung zum Spezialistengebastel der Computerfetischisten strebt derzeit vor allem politische Kunst (es gibt natürlich Unmengen an Kunst, die ganz außerhalb dieser Kategorien im Jahr 2011 entsteht, aber sie ist nicht zwingend zeitgenössisch). Erstaunlich ist an ihr jedoch, wie sehr immer noch erwartet wird, dass man die Wirklichkeit abbilden kann, dabei ist es nur der alles überspannende Schirm aus Algorithmen und Datenströme - die alte Binsenweisheit, dass Bilder lügen.

Alles ist absolut schwarz

Mit dieser Weisheit arbeitet auch der israelische Videokünstler Omer Fast auf der Biennale in Venedig. Der Filmemacher lässt uns auf die Stadt Las Vegas herunterschauen, in das gleißende Licht der Elektrizität. Wir merken, dass wir auf der Spitze einer Drohne sitzen und auf ein Hochhaus zusteuern; in „5000 Feet Is the Best“ von 2011 erzählt uns dann der Pilot aus dem Off von den Strategien seiner Arbeit. Das dieser Pilot gar keiner ist, sondern ein Schauspieler, lässt uns wieder beim bekannten Thema des Misstrauens gegenüber den Bildern enden. Aber reicht das für zeitgenössische Kunst?

Das Thema scheint seit der picture generation um Barbara Kruger, Cindy Sherman, Robert Longo oder Richard Prince abgeschlossen. Wir müssen einen Schritt weitergehen. Wir betreten einen stockdunklen Raum in den Berliner Kunstwerken mit der Ausstellung „Seeing is believing“ und tasten uns vorwärts. Alles ist absolut schwarz. Einfach alles. Das Auge gewöhnt sich sehr langsam, erkennt eine Treppe, erkennt in einiger Entfernung ein Gestänge. Die Arme nach vorn gestreckt, erproben wir jeden Schritt, versuchen zu erkennen, wie ein Blinder in den Bergen. Doch peu à peu zeichnen sich die Umrisse ab: Gestänge, Kästen, Geräte, Stahl.

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