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Zum Holocaust-Gedenktag : Der Kommerzialrat charterte die rettende Flotte

  • -Aktualisiert am

Die französische „Patria” vor Haifa im Jahr 1940 Bild:

Berthold Storfer organisierte die Schiffstransporte von Juden nach Palästina und rettete tausende Leben. Selbst schonte er sich nicht. Er wurde in Auschwitz ermordet. Erinnerung an einen nicht geehrten Helden.

          Am 12. März 1938 marschierte die Wehrmacht unter dem Jubel der Bevölkerung in Österreich ein. Der „Anschluss“ markierte eine neue, radikalere Etappe der Judenverfolgung. Es folgte eine fast panikartige Auswanderungswelle. Der amerikanische Präsident Roosevelt ließ eine internationale Flüchtlingskonferenz abhalten, die am 6. Juli 1938 im französischen Kurort Evian eröffnet wurde. Nur einer von den 32 teilnehmenden Staaten erklärte sich bereit, Juden aufzunehmen. Evian war ein für die Flüchtlinge schädliches Fiasko.

          Besonders dramatisch war das Erscheinen der Delegation der Juden aus Deutschland und Österreich, deren Reise von den Reichsbehörden angeordnet wurde. Aus Wien kamen der Leiter der dortigen Kultusgemeinde Dr. Josef Löwenherz und der Medizinprofessor Heinrich Neumann von Hethars, der im Auftrag des NS-Statthalters Seyß-Inquart den Delegationen den Vorschlag unterbreiten sollte, Tausende von Juden, die demnächst in KZs inhaftiert würden, gegen 250 Dollar pro Person als Lösegeld freizukaufen.

          Das war der früheste Versuch der Nationalsozialisten, die Juden zu „verkaufen“. Im „Völkischen Beobachter“ war der hämische Kommentar zu lesen, Deutschland biete der Welt seine Juden an, aber keiner wolle sie haben. Dritter Mann aus Wien in Evian war der Kommerzialrat Berthold Storfer.

          „Ein guter Kamerad in schwerer Zeit”: Berthold Storfer als österreichischer Kriegswirtschaftsrat

          Er wurde am 16. Dezember 1880 in Czernowitz geboren. Als Einziger seiner Familie ließ er sich taufen. Storfer nahm als vielfach dekorierter Kavallerie-Major der k.u.k. Armee am Weltkrieg teil. Bis 1938 war er ein erfolgreicher Bankier, Mitinhaber von großen Unternehmen und Geschäftsmann mit vielfältigen Handelsverbindungen zum Balkan. Er hatte bisher, da getauft, keine Beziehungen zum Judentum. In der Evian-Konferenz debütierte er in jüdischen Angelegenheiten. Von nun an engagierte er sich für die Auswanderung der Juden. Nach der Rückkehr von Evian schlug Storfer vor, einen „Ausschuss für jüdische Überseetransporte“ zu gründen, dessen Leiter er wurde.

          Zwang zur Auswanderung

          Nach dem Anschluss nahm die illegale Auswanderung nach Palästina bald das Ausmaß einer Massenfluchtbewegung an. Bereits seit August 1938 existierte in Wien die „Zentralstelle für jüdische Auswanderung“, deren Leiter Adolf Eichmann war. Eichmanns Chef Reinhard Heydrich war ein energischer Befürworter der Auswanderung oder Vertreibung, was Eichmanns Eifer erklärt. Sämtliche mit der Auswanderung befassten Behörden waren unter einem Dach konzentriert. Die Vertriebenen mussten vor der Abreise viele Steuern bezahlen, wie die Judenvermögensabgabe, die Reichsfluchtsteuer und die Passumlage. Es musste auch eine Steuer-Unbedenklichkeitsbescheinigung vorliegen. Die Bankkonten wurden gesperrt und damit praktisch beschlagnahmt. Das alles lief sehr effizient, wie am Fließband.

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