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Zum Geburtstag : Kleines Grass-Glossar

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Jubilar vor weitem Feld: Günter Grass Bild: Thomas Müller / Focus

Zu Günter Grass' 75. Geburtstag versammelt FAZ.NET nach Stichwörtern notiert das Wichtigste zu Leben und Werk des Ehrenvollen. Eine Handreichung.

          Das Schlimmste ist geschafft: Die Honoratioren, Genossen und Kollegen des Jubilars haben ihre Grußbotschaften und Würdigungen in die Post gegeben, in die Mikrophone gesprochen oder in die Steno-Blöcke diktiert. An diesem Mittwoch feierte Günter Grass, Deutschlands wichtigster lebender Schriftsteller und nebenbei auch noch als Grafiker und Bildhauer erfolgreich, seinen 75. Geburtstag. Da kann es nie ganz unnütz sein, auf Stichwort Wissen zu Leben und Werk des Ehrenvollen abrufen zu können. Eine Handreichung von FAZ.NET für Leser und Nichtleser.

          Austritte und Eintritte

          Der Austritt zählt zu den bevorzugten Protestformen des streitbaren Schriftstellers. 1974 beginnt Grass seine Serie mit dem Austritt aus der Kirche - aus Protest gegen die Haltung der Bischöfe zur Reform des § 218. 1989 verlässt Grass die Berliner Akademie der Künste, als die dem durch das Todesurteil einer Fatwa bedrohten Kollegen Salman Rushdie kein Obdach gewähren wollte. 1998 wird er wieder in die Akademie gewählt. Aus Protest gegen die Haltung der SPD (siehe auch: Brandt, Willy) in der Asylpolitik verlässt Grass 1992 die Partei, im Bundestagswahlkampf 1998 engagiert er sich jedoch erneut für die Sozialdemokraten (siehe auch: Querdenker).

          Brandt, Willy

          Duz-Freund des Dichters, seit 1961 betrieb Grass für den SPD-Politiker Wahlkampf (siehe auch: Austritte).

          Calcutta

          Mitte der 80er lebte Grass auf Einladung des dortigen Goethe-Instituts ein halbes Jahr lang in Calcutta. In seinem Skizzenbuch schreibt Grass: „Ich, das heißt der Schriftsteller, zwang den Zeichner zum Hinsehen, immer wieder - und alle Ausflüchte wie Kunstansprüche verlachend - zum Hinsehen: Denn jener Slum, dessen Hütten als Mittelpunkt eine aus Zeiten der Kolonialherrschaft überlebende Denkmalbüste respektieren, wollte wahrgenommen werden; auch die Kuh vor dem Leichenfeuer, bewohnte Betonröhren, Kochstellen unter Bäumen; und jene vor undurchlässigen Häuserwänden und Fabrikmauern wie zufällig Liegenden, die in Calcutta als Obdachlose (weil in keinem Slum zugelassen) Pavementdweller - Pflasterbewohner - genannt werden, wollten gesehen, aufgezeichnet werden.“

          Danzig

          Geburtsstadt von Grass. Nach dem Krieg verschlug es ihn in amerikanische Gefangenschaft nach Bayern, später nach Düsseldorf, Berlin, Paris, Kalkutta und schließlich Lübeck. Schrieb aber weiterhin gerne über Danzig (siehe: Oskar). Dort ist er seit 1993 Ehrenbürger. Ein Denkmal haben ihm die Danziger auch schon errichtet, das neben einer Statue seines Romanhelden Oskar Matzerath (siehe: Oskar) stehen sollte; Grass aber hat sich gegen eine Aufstellung ausgesprochen, solange er noch lebe. Lieber solle man in seinem Geburtshaus endlich richtige Toiletten in die Wohnungen einbauen und sie von ihm aus gern „Grass-Klos“ nennen. Der kleine Oskar (siehe: Oskar) steht jetzt ganz alleine da.

          Ehefrau

          Seit 1979 in zweiter Ehe verheiratet.

          Feinde

          Hat er. Bis Grass 1999 den Literaturnobelpreis erhalten hat, war die Frage unentschieden: Hat der Schriftsteller mehr Feinde oder mehr Ehr'? Unzählige Politiker wird Grass mit Begeisterung zu seinen Feinden zählen, dazu Bonzen, Reaktionäre und „Skinheads mit Schlips und Scheitel“. Sein Lieblingsfeind aber ist wohl ein Literaturkritiker: Seit der „Spiegel“ 1995 Marcel Reich-Ranicki auf dem Titel trug, der das neue Buch „Ein weites Feld“ buchstäblich zerreißt, gelten die beiden großen Alten des Literaturbetriebs - auch wenn es jüngst kurz nach Tauwetter aussah - als unversöhnlich.

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