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Illies verlässt Rowohlt : War doch nicht so toll

  • -Aktualisiert am

Florian Illies Bild: dpa

Vor einem Jahr wurde Florian Illies als neuer Chef des Rowohlt-Verlags brachial durchgesetzt. Jetzt wirft er hin und alle Beteiligten sind düpiert. Was für eine peinliche Party.

          2 Min.

          Man hielt es nicht für möglich, als erste Gerüchte auftauchten, Florian Illies werde Rowohlt wieder verlassen. Er war ja erst wenige Monate zuvor zum Verleger des Hamburger Traditionsverlags ernannt worden. Und nicht nur das! Um ihn auf den Posten zu hieven, musste der Holtzbrinck-Konzern Illies’ Vorgängerin, die im Haus wie bei Autoren hochangesehene Barbara Laugwitz, abservieren. Man wollte Illies unbedingt.

          Doch warum? Was versprach man sich von dem Berliner Bestsellerautor, Auktionshausbetreiber und ehemaligen Journalisten, der nie zuvor für einen Verlag tätig war?

          Vielleicht erhoffte man sich Glanz und Öffentlichkeit, diese Art von Wirkung. Ein Sturm der Entrüstung brach damals los, aber die Protestschreiben der Autoren wurden ignoriert, und man muss die Ansicht gar nicht teilen, dass es sich damals um einen Fall von weiblicher Diskriminierung handelte, um zu erkennen, welch ein böses Spiel Stuttgart trieb: Sie musste weg, damit er kommen konnte.

          Von Holtzbrinck wurde das vorausschauend eingefädelt, mit Verträgen, die lange zuvor unter Dach und Fach waren, und einer Pressearbeit, die es möglich machte, dass Volker Weidermann vom „Spiegel“ nicht nur den spektakulären Wechsel an der Spitze von Rowohlt „exklusiv“ vermelden konnte, sondern gleich auch die Lesart mitgab: Gute Entscheidung! Weil? Laugwitz sei eben nicht präsentabel, „zu geringe öffentliche Präsenz“, und außerdem „ohne klares verlegerisches Profil“. Während er, Illies, das schon schaukeln werde.

          So kann man sich irren. Das Fatale ist, dass jetzt alle beschädigt sind. Laugwitz, Rowohlt, Holtzbrinck, Illies. Wobei Illies noch am besten davonkommt. Er ist Autor, er will wieder Bücher schreiben, wie er mitteilte, er ist aus der Sache fein raus. Und dass er während seiner Rowohlt-Verlegerschaft seinen Sitz im Herausgebergremium der Holtzbrinck-Zeitung „Zeit“ nie aufgegeben hat, was stets ein „Geschmäckle“ hatte, wie man in Stuttgart sagen würde, muss ihn jetzt nicht mehr kümmern.

          Laugwitz ist inzwischen Chefin des Berliner Ullstein-Verlags. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass man sie fragt: Sie sollte es sich gut überlegen, ob sie zurückkommen will in ein Haus, dessen Eigentümer sie einst derart gedemütigt haben. Und Rowohlt? Der Verlag ist jetzt der Leidtragende. Literarische Heimat von Daniel Kehlmann, Martin Mosebach, Paul Auster, um nur einige zu nennen, wurde er zum Spielball falscher Projektionen und rücksichtslosen Ehrgeizes.

          Und warum? Weil sich einer scheinbar so leichtfertig eine Aufgabe zugetraut hat, die er nach gerade einmal einem Jahr wieder hinschmeißt. War doch nicht so toll. Bücher schreiben ist irgendwie besser. Das Beste an der Entscheidung: Sie korrigiert eine Fehlentscheidung. Den ganzen Zirkus freilich hätte man sich sparen können, wenn man nur einmal ernsthaft über die Aufgaben eines Verlegers nachgedacht hätte. Das wenigste davon findet auf Partys statt.

          Sandra Kegel

          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

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