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Strauchelnder Abosender : Wie geht es weiter bei Sky?

Carsten Schmidt Bild: dpa

Carsten Schmidt gibt seinen Posten als Chef von Sky Deutschland ab. Das ist kein gutes Zeichen. Der Sender wirkt orientierungslos. Was ist erst, wenn die Bundesligarechte flöten gehen?

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          Jetzt ist auch noch der Chef weg. Carsten Schmidt, dem mit seinen nun 56 Jahren der Titel „Urgestein“ des Abofernsehens zukommt, gibt seinen Posten als Chef von Sky Deutschland Ende des Jahres ab. Das Ruder übernimmt Devesh Raj. Er war zuletzt bei Sky Deutschland schon Chief Commercial Officer und kommt vom amerikanischen Kabelanbieter Comcast, der im vergangenen Jahr die Mehrheit an der britischen Muttergesellschaft von Sky für dreißig Milliarden Pfund übernommen hat.

          Schmidt bleibt Sky als „Senior Advisor“ erhalten. Doch ob sein Rat gehört wird? Man kann den Eindruck haben, dass Sky Deutschland zum Filialbetrieb in der europäischen Sky-Familie mutiert und man in München nur über Kleinigkeiten entscheiden darf, während der Europa-Chef Andrea Zappia die großen Pläne schmiedet.

          Carsten Schmidt wirkte zwanzig Jahre lang bei Sky und dem Vorgängersender Premiere. Er setzte selbstverständlich auf den Fußball, auf den der Abosender auf Gedeih und Verderb angewiesen ist. Er stellte als Schaufensterprogramm für Nicht-Abonnenten den Sportnachrichtensender Sky Sport News HD auf die Beine. Er setzte auf Zulieferungen amerikanischer Serien und Filme, vor allem von HBO, aber auch auf selbstproduziertes Programm wie „Babylon Berlin“ und das „Boot“. Welche Bedeutung Schmidt Letzterem beimaß, konnte man bei den Premieren der Serien bezeugen.

          Nun geht der Lotse von Bord – quasi als letzter, vor ihm hat schon eine ganze Reihe führender Köpfe den Sender verlassen. Eine eigenständige Führung und ein breites Programmangebot braucht Sky Deutschland jedoch gerade mehr denn je. Die Abonnements des Senders sind teurer als die der Konkurrenz von Netflix, Amazon, Magenta TV und dem Sportanbieter Dazn – also sollte das Angebot auch besser sein. Ist es das nicht, werden Abonnenten wechseln.

          Wie man seine Kunden verärgert und ins Schlingern gerät, bewies Sky kürzlich, als die Spitzenbegegnung Bayern gegen Dortmund auf den Mobildiensten Sky Go und Sky Ticket wegen eines technischen Fehlers nicht lief. Rund 315.000 Kunden beschwerten sich. Meldeten sie sich bei der Hotline, wurde ihnen im Zweifel ein weiteres Angebot aufgequatscht. Als Kompensation bot Sky an, man könne kostenlos einen Kinofilm schauen.

          876 Millionen Euro lässt sich Sky die Rechte an der Bundesliga pro Jahr kosten. 2020 schreibt der Ligaverband DFL die Rechte wieder aus und würde sie gerne an nur einen Anbieter vergeben. Bewerben werden sich neben Sky auch Dazn und die Telekom. Erhält Sky Deutschland die Bundesligarechte nicht, sieht es finster aus für den Sender. Gibt er Projekte wie „Babylon Berlin“ und „Das Boot“ nicht mehr in Auftrag, hat er keine Serie wie das von TNT produzierte „4 Blocks“ mehr im Paket, verliert er das Rennen gegen die hochgerüsteten Mitbewerber. Vielleicht wird Carsten Schmidts Rat doch noch gebraucht.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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