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Gedenktag in Deutschland : Heute wäre Anne Frank 90 Jahre alt geworden

  • Aktualisiert am

Anne Frank starb mit 15 Jahren im KZ Bergen-Belsen. Bild: dpa

Anne Franks Tagebuch ist in 70 Sprachen erhältlich und gilt als Weltdokumentenerbe. Die Autorin wäre heute 90 Jahre alt geworden. In ganz Deutschland wird an sie erinnert.

          Heute wäre Anne Frank 90 Jahre alt geworden. Ihr Tagebuch, weltweit in 70 Sprachen übersetzt, gilt als Inbegriff eines Zeitzeugnisses über die traumatischen Schrecken des Zweiten Weltkrieges und die Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung. In der Frankfurter Paulskirche wird mit einem Festakt an Anne Frank erinnert. Auf der Veranstaltung sprechen unter anderem Unesco-Generalsekretärin Audrey Azoulay und die ungarische Philosophin und Holocaust-Überlebende Agnes Heller, die wie Anne Frank im Jahr 1929 geboren wurde. Auch mit einer eintägigen Ausstellung im Jüdischen Museum Frankfurt, Führungen durch die Westend-Synagoge und Schulveranstaltungen wird an das Schicksal des Mädchens erinnert, das 1945 im Alter von 15 Jahren im Konzentrationslager Bergen-Belsen starb.

          Ebenso an anderen Orten Deutschland wird der diesjährige Anne-Frank-Tag begangen, darunter von 40.000 Schülerinnen und Schülern aus 250 Schulen. Der Aktionstag gegen Antisemitismus, Rassismus und für Demokratie an Schulen stehe deshalb unter dem Motto „Anne Frank 90“, kündigte das Berliner Anne-Frank-Zentrum am Dienstag an. Der bundesweite Auftakt des Aktionstages findet in Gütersloh mit dem Zeitzeugen Pieter Kohnstam statt. Kohnstam lebte als Kleinkind bis 1942 in direkter Nachbarschaft der Familie Frank in Amsterdam, bevor er mit seiner jüdischen Familie nach Südamerika floh.

          Anne Frank wurde am 12. Juni 1929 als zweite Tochter einer säkularen jüdischen Familie in Frankfurt geboren. Angesichts der Verschlechterung der Situation von Juden im nationalsozialistischen Deutschland entschloss sich die Familie zur Emigration in die Niederlande. Als auch in Amsterdam Juden unter der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg immer stärker verfolgt wurden, tauchte die Familie in einem Versteck unter. Ihr Tagebuch schrieb sie zwischen 1942 und 1944 in Amsterdam. In dieser Zeit lebte sie mit ihrer Familie und vier weiteren Personen in einer im Hinterhaus verborgenen Wohnung auf engstem Raum. Am 4. August 1944 wurden sie entdeckt, verhaftet und deportiert. Nur Anne Franks Vater, Otto Frank, überlebte und veröffentlichte 1947 das Tagebuch seiner Tochter. Es ist Teil des Weltdokumentenerbes der Kulturorganisation der Vereinten Nationen.

          Annes Schwester schrieb auch ein Tagebuch

          Das Jüdische Museum Frankfurt öffnet zum 90. Geburtstag eine Pop-up-Ausstellung. „Wir präsentieren Objekte aus der Lebenswelt des heranwachsenden Mädchens: Bauklötze, mit denen sie und ihre Schwester Margot spielten, ein Poesiealbum, in dem Anne einen Eintrag für ihre Klassenkameradin hinterließ, und – ein besonderes Highlight – einen von ihr bestickten Beutel, in dem sie in Amsterdam ihr Nachthemd verwahrte“, sagt Museumsdirektorin Mirjam Wenzel.

          Die Ausstellung gibt zudem einen ersten Einblick in das zukünftige Familie Frank-Zentrum, das nach dem Umbau des Museums eröffnet wird. Dabei handelt es sich um „die permanente Ausstellung zur Familie, die wir in unserem neuen Museum mit weitaus mehr Gegenständen aus Familienbesitz zeigen werden“. Auch sollen Dokumente zur Familiengeschichte präsentiert werden.

          Gedichte, die Anne Franks Vater und seine Geschwister schrieben, stehen nach Angaben von Kuratorin Franziska Krah für die literarische Tradition der Familie. „Wir wissen zum Beispiel, dass auch (Annes ältere Schwester) Margot Tagebuch schrieb – aber das ist nicht erhalten“, sagt Wenzel. Zudem erzähle das künftige Zentrum die Geschichte der erweiterten Familie. So stammt das Spielzeug aus dem Besitz der Baseler Verwandtschaft. Auch um Annes Cousin Buddy Elias geht es: Er hatte sich dafür ausgesprochen, die Dinge aus dem Besitz der Emigrantenfamilie Frank und Elias dem Jüdischen Museum Frankfurt anzuvertrauen.

          Auch der Westdeutsche Rundfunk beteiligt sich an dem Gedenktag. In der Smartphone-App „WDR AR 1933-1945“, die im Februar online ging, wurden bereits drei Zeitzeugenberichten von Kriegskindern aus London, Leningrad und Köln veröffentlicht. Heute erscheint mit „Meine Freundin Anne Frank“ ein weiteres Kapitel Zeitgeschichte in Augmented Reality innerhalb der App. „Ihr Tagebuch hat der Welt verdeutlicht, was Krieg und Totalitarismus Menschen antun“, sagt WDR-Intendant Tom Buhrow. Für die Handy-App erzählt Hannah Goslar, Schulfreundin von Anne Frank, die gemeinsame Geschichte.

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