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Zum 300. Geburtstag : Friedrich II. im Philosophenspiegel

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Wie schon Friedrich, so verfasst auch Kant einen Anti-Machiavell, allerdings nur der Sache nach, denn der Florentiner wird nicht erwähnt. Weit zupackender als Friedrichs „Anti-Machiavell“ besteht Kants Text, ein Anhang der Schrift „Zum ewigen Frieden“, im Wesentlichen aus dem Zurückweisen von drei „sophistischen Maximen“, die ihrem Gehalt nach „Schlangenwendungen einer unmoralischen Klugheitslehre“ seien. In derselben Schrift, zudem an prominenterer Stelle, im „Ersten Definitivartikel zum ewigen Frieden“, zitiert er Friedrich II. mit dessen berühmtem Wort, er sei bloß der oberste Diener des Staates. Nach Kants Erläuterung spricht sich darin nicht etwa Hochmut aus, vielmehr gebe der König ein gutes Beispiel für die allein legitime, die repräsentative Regierungsform ab.

In der „Kritik der Urteilskraft“ erwähnt Kant ein Gedicht des verstorbenen Königs und sieht in diesem Gedicht sogar eine „Vernunftidee von weltbürgerlicher Gesinnung“ am Werk. Schließlich zitiert er in der Anthropologie-Vorlesung die Antwort des Königs auf den Direktor der schlesischen Schulanstalten, Sulzer. Dieser berief sich in einem Gespräch auf den Rousseauschen Grundsatz, der Mensch sei von Natur aus gut, worauf der König antwortete: „Diese verfluchte Rasse, der wir angehören, kennen Sie nicht genügend.“

III.

Der nach Kant nächste große Philosoph der Politik, Hegel, zollt Friedrich II. noch größere Achtung. Er tituliert ihn des öfteren als „Philosophen König“ oder als „Friedrich den Großen“. Auch lobt er, wie vorher schon Diderot, Friedrichs literarische Feder. In den beiden Werken aber, in denen man am ehesten eine philosophische Auseinandersetzung erwartet, in der „Phänomenologie des Geistes“ (1807) und in den „Grundlinien der Philosophie des Rechts“ (1821), wird der Preußenkönig nur beiläufig erwähnt. In einem Text von 1817 zu den Württemberger Landständen hingegen hält Hegel drei Dinge, die für sein eigenes Staatsverständnis wesentlich sind, für Friedrichs Verdienst: eine repräsentative Verfassung, einen gesetzmäßigen Zustand und die Mitwirkung des Volkes bei der Gesetzgebung.

Nicht weniger gewichtig ist Friedrich in Hegels Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte präsent. Im vorletzten Kapitel, „Wirkung der Reformation auf die Staatsbildung“, erklärt Hegel, dass Friedrich in der neueren Zeit als „philosophischer König“ eine einzigartige Erscheinung sei, der den religiösen Streitigkeiten abhold war. Trotzdem endet das Kapitel nicht etwa mit einem Lob auf den Vorkämpfer einer aufklärerischen Toleranz, die es jedem erlaube, nach seiner Façon selig zu werden. Hegel hält erstaunlicherweise das Toleranzprinzip nicht für ein allgemein gültiges, folglich überkonfessionelles Prinzip. Vielmehr nennt er es das protestantische Prinzip, von der weltlichen Seite aufgefasst.

Folgerichtig wird Friedrich II. als „Held des Protestantismus“ apostrophiert. Denn vom Siebenjährigen Krieg erklärt Hegel, dieser sei zwar „kein Religionskrieg“ gewesen, aber Friedrich habe mit ihm der Koalition der katholischen Hauptmächte Europas widerstanden. Hier entpuppt sich Hegel mehr als Philosoph einer einzigen christlichen Konfession, polemisch gesagt: als Chefideologe des Protestantismus, denn als ein konfessionell neutraler philosophischer Aufklärer wie Kant.

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