https://www.faz.net/-gqz-9na5v

Mutter des Imperiums : Hätte Queen Victoria den Brexit gewollt?

Judi Dench als Queen Victoria Bild: Picture-Alliance

Vor zweihundert Jahren wurde Königin Viktoria geboren. Daran erinnert Großbritannien mit einem Flickenteppich von Veranstaltungen, der den Zustand der Nation in Zeiten des Brexit widerspiegelt.

          6 Min.

          Den Briten war nicht nach Feiern zumute, als sich im Jahr 1919 der hundertste Geburtstag von Königin Viktoria jährte, schon gar nicht zu Ehren einer Monarchin, von der Herbert Asquith im Jahr zuvor behauptet hatte, sie habe ihre eigene Zeit überdauert. Die Ära, die „wir grob viktorianisch nennen“, die Ära des „Materialismus, des Strebens nach Wohlstand und Behaglichkeit“ sei „mindestens ein Jahrzehnt“ vor dem Tod der Königin im Januar vorüber gewesen, erklärte der ehemalige Premierminister im Juni 1918. Im selben Jahr äußerte Ezra Pound, der den abschätzig gemeinten Begriff „Viktoriana“ für den Firlefanz der Zeit prägte, seinen Widerwillen: „Für die meisten von uns ist der Duft der erloschenen Viktoriana derart unangenehm, dass wir bereit sind, die Vergangenheit dort bleiben zu lassen, wo wir sie gefunden haben.“

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          1918 war auch das Jahr, in dem der Literat Lytton Strachey seinen Band, „Eminent Victorians“ mit den polemischen Kurzbiographien von vier herausragenden Figuren veröffentlichte. Es waren Kardinal Manning, Florence Nightingale, Thomas Arnold und General Gordon, die er als emblematisch sah für die Heuchelei der Epoche. Vor dem Ersten Weltkrieg konzipiert, aber größtenteils unter dem Eindruck der Tragödie geschrieben, war das sarkastisch betitelte und vor verbalen Spitzen strotzende Buch auch eine Abrechnung mit der Generation, die ihren Kindern jenes „zutiefst böse System“ vermachte, „das internationale Auseinandersetzungen durch Gewalt beizulegen sucht“. Rudyard Kipling, der seinen Sohn in der Schlacht bei Loos verloren hatte, erfasste dieses Ressentiment mit den Zeilen: „Wenn Leute fragen, warum wir starben, sagt ihren, weil unsere Väter gelogen haben.“

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

          FAZ.NET komplett

          : Neu

          F.A.Z. Woche digital

          F.A.Z. Digital – Jubiläumsangebot!

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Ja, wohin fährt er denn: Der neue Bahnhof in Naivasha wird eröffnet.

          Bahnprojekt Kenia : Geht ein Zug nach Nirgendwo

          Eine Zugverbindung der kenianischen Hafenstadt Mombasa bis in Ugandas Hauptstadt Kampala: Das war der Plan von Kenias Regierungschef Kenyatta. Doch das Projekt droht spektakulär zu scheitern. Profitieren könnte China.
          Bram Schot

          F.A.Z. Exklusiv : So spart Audi gegen die Krise

          Rund 15 Milliarden Euro sollen in den kommenden Jahren eingespart werden. Die Werke in Ingolstadt und Neckarsulm wird es wohl besonders hart treffen. Audi-Chef Schot sagt, er habe aber klare Vorstellungen, wie die Beschäftigung gesichert werden kann.