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Zukunft : Welterlöser, Streithahn, Sorgenkind: Was wird aus Michael Jackson?

Bildnis aus besseren Tagen: Michael Jackson und Affe Bubbles von Jeff Koons Bild: AP

Was wird aus Michael Jackson? Nicht einmal die virtuelle Realität kann dem realitätsfremden Musiker noch Zukunft oder Zuhause bieten.

          Unabhängig davon, welche Seite die besseren Anwälte haben und den Prozess gewinnen wird, Michael Jackson oder der Musikkonzern Sony: Das Ansehen des einstigen King of Pop ist in der Branche nach den jüngsten Beschimpfungen, mit denen sich Jacko und Sony-Chef Tommy Mottola gegenseitig bedacht haben, endgültig ramponiert.

          Welche Plattenfirma wird sich noch auf Michael Jackson einlassen wollen, einen zuletzt erfolglosen, notorisch unter Verfolgungswahn leidenden Popstar, dessen richtiger Platz immer mehr der Altenteil der Popgeschichte zu werden scheint? Nicht einmal die virtuelle Realität, in der sich auf die eine oder andere Art durchaus Geschäfte mit der Popmusik machen lassen, kann dem realitätsfremden Musiker Zukunft oder Zuhause bieten.

          The Artist Formerly Known As Michael Jackson

          Eines immerhin verbindet Jackson und Sony: ein tiefes Misstrauen gegenüber den Segnungen des Internet. Sonst hätten die Neuen Medien dem Musiker einen Alleingang ermöglicht, wie ihn zuletzt der Sänger und Multiinstrumentalist Prince gewählt hat. Um seine vertraglichen Verpflichtungen gegenüber einem Plattenmulti zu erfüllen, hatte der Künstler zwischenzeitig seinen Namen abgelegt. Er wurde unter dem Namen TAFKAP - The Artist Formerly Known As Prince - gehandelt. Von allen vertraglichen Bindungen befreit, wurde Prince schließlich im Internet zum erfolgreichen Selbstvermarkter.

          Auch Michael Jacksons treue Fan-Gemeinde ist im Internet präsent und offenbar gut organisiert. Sie ist allerdings zahlenmäßig nicht groß genug, um die Bestseller-Hoffnungen ihres Idols befriedigen zu können. Und außerdem ist es die ganze Welt, die Michael Jackson retten, die ganze Menschheit, die der Popstar glücklich machen will. Für eine derart globale Mission sind die Online-Koalitionen des einstigen King of Pop nicht stark genug. Zudem hat Jacko seinen Namen nie abgelegt. TAFKAMJ - versuchen Sie einmal, das auszusprechen - klingt aber auch zu beknackt.

          Wege der Welterlösung

          Ein seinerzeit überraschendes Geschäftsmodell fand Britpop-Größe Damon Albarn, der, seiner Band Blur und der eigenen stilistischen Festlegung offenbar überdrüssig, im Frühjahr 2001 eine Band aus Trickfiguren vorstellte, deren Sänger er seine Stimme lieh. Die Gorillaz wurden zu einer der erfolgreichsten Bands des vergangenen Jahres.

          Michael Jacksons Sympathie für Primaten ist allgemein bekannt. Die Eitelkeit des vielfach schönheitsoperierten Exzentrikers dürfte verhindern, dass Jackson seinen musikalischen Weg künftig inkognito fortsetzen wollen wird. Und sein Immunsystem dürfte nach den vielen plastisch-chirurgischen Eingriffen schon so geschwächt sein, dass die gesundheitlichen Risiken bei weiteren Veränderungen dieser Art zu groß werden. Da hilft auch kein Sauerstoffzelt mehr.

          Soviel ist klar: Die Welt wartet nicht auf eine weitere CD Michael Jacksons. Vielleicht könnte der Künstler seine globalen Erlösungsfantasien um eine weitere ergänzen - und sich zur Ruhe setzen. Die Menschheit vor einem nächsten Jacko-Album bewahren. Es gut sein lassen. Seinen inneren Frieden finden. Ganz für sich. Danke, Michael. Es reicht.

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