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Zukunft der Berliner Gemäldegalerie : Spürbar

  • -Aktualisiert am

Die Preußenstiftung hat sich anscheinend ein Ende der Diskussion um die Berliner Gemäldegalerie verordnet. Michael Eissenhauer redet immerhin, kommt allerdings nicht zum Punkt.

          Natürlich, sagt der Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, Michael Eissenhauer, im Interview mit dem „Tagesspiegel“, werde man „die Spitzenwerke von Rembrandt, van Eyck, Botticelli etc.“ nicht ins Depot stecken, wenn die Berliner Gemäldegalerie nach dem Auszug aus ihrem Domizil am Potsdamer Platz teilweise eingemottet wird. Natürlich - aber das war auch gar nicht die Frage. In Frage steht, ob der Bestand von klassischer Malerei aus fünf Jahrhunderten auseinandergerissen und seine kleinere Hälfte zusammen mit Spitzenstücken der Skulpturensammlung im Bodemuseum ausgestellt werden soll, während am Ufer gegenüber ein vage versprochener Neubau in die Höhe wächst.

          Und, natürlich, wie lange dieser Zustand, diese „Verdichtung“ (Eissenhauer), dauern könnte. Auch darauf hat der Generaldirektor eine Antwort parat: „Es gilt das Wort von Präsident Parzinger: spürbar unter zehn Jahren.“ Der merkwürdige Politbüro-Ton („Es gilt das Wort des Genossen Pieck: Durch Sozialismus zum Sieg!“) macht stutzig. Darf denn in der Stiftung Preußischer Kulturbesitz niemand mehr, auch der Chef der Staatlichen Museen nicht, offen sagen, was er sich wünscht, etwa eine möglichst kurze Lagerzeit für die Alten Meister?

          Eine indirekte Botschaft

          Gerade Eissenhauer war es ja, der vor drei Jahren den Konsens der Stiftungsdirektoren durchbrach, indem er verkündete, der Umzug der Gemäldegalerie werde „auf absehbare Zeit“ nicht stattfinden. Dass er diese Aussage jetzt zum „Anstoß“ verkleinert und gehorsam wiederholt, der einzig richtige Ort für die Bildersammlung liege „in Mitte“, stimmt traurig, denn es zeigt, dass die Diskussion, die in der Öffentlichkeit gerade erst entbrannt ist, innerhalb der Preußenstiftung schon wieder zum Schweigen gebracht wurde. Dabei kann man das Interview durchaus gegen den Strich lesen und dabei herausspüren, was Eissenhauer eigentlich meint: Die Besucherzahlen der Gemäldegalerie seien nicht schlecht, sie würden nur schlechtgeredet; und die für den Umbau bewilligte Summe könne, da „nicht zeitgebunden“, auch „in einigen Jahren“ erst ausgegeben werden.

          Aber die Planer der Stiftung haben es ja gerade eilig, sie wollen vor 2015, wenn die Neue Nationalgalerie zwecks Renovierung geschlossen wird, vollendete Tatsachen schaffen. Deshalb schließen sie jetzt ihre Reihen, um im Herbst in Gefechtsformation vor die Geldgeber aus der Politik treten zu können. Es gilt das Wort des Präsidenten: Mund halten, Augen zu!

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

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