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Zu Guttenbergs Doktorarbeit : Summa cum laude?

Die Dissertation
          2 Min.

          In der juristischen Dissertation, mit der Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) 2007 an der Universität Bayreuth promoviert wurde, finden sich Passagen, die aus Texten anderer Autoren ohne Quellenangabe übernommen wurden. Wie die „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) berichtet, hat das der Bremer Öffentlichrechtler Andreas Fischer-Lescano herausgefunden.

          Jürgen Kaube
          Herausgeber.

          In einer Besprechung des Buches von Guttenberg für die Zeitschrift „Kritische Justiz“ (44. Jahrgang, Heft 1, 2011), die Ende Februar erscheint, weist Fischer-Lescano unausgewiesene Auszüge aus acht Quellen nach: jeweils aus einem Artikel der „NZZ am Sonntag“ und aus dieser Zeitung; aus drei Vorträgen zu Aspekten des Verfassungsvergleichs zwischen Europa und den Vereinigten Staaten, die an der Berliner Humboldt-Universität, in Liechtenstein und an der Katholischen Akademie München gehalten wurden; aus einer Informationsbroschüre der Bundeszentrale für politische Bildung; sowie aus einem juristischen Zeitschriftenaufsatz und einem „Working paper“ des „Centrums für angewandte Politikforschung“ München.

          Insgesamt belaufen sich diese fast wörtlich abgeschriebenen Passagen in der 2009 publizierten Dissertation auf mehr als drei Seiten des 475 Seiten umfassenden Buches. Allein die wortwörtliche Kopie aus der „NZZ“ geht über eine ganze Seite. Beide Zeitungsbeiträge sowie der Liechtensteiner Vortrag werden im Literaturverzeichnis nicht erwähnt.

          Ein weiteres unausgewiesenes Zitat sind, wie inzwischen herausgefunden wurde, die beiden ersten Absätze der Arbeit Guttenbergs. Sie entstammen einem Artikel der Politologin Barbara Zehnpfennig in dieser Zeitung (F.A.Z. vom 27. November 1997 - Der Originaltext aus der F.A.Z.: Das Experiment einer großräumigen Republik). Guttenberg erwähnt den Beitrag, als Quelle der Einleitung wird er aber nicht kenntlich gemacht.

          Hier mag man mangelnde Sorgfalt vermuten

          Bei wörtlichen Übernahmen aus Texten, die im Internet zugänglich sind und eben deshalb auch durch „Googeln“ identifiziert werden konnten, muss es sich nicht um einen Täuschungsversuch handeln. Es kann auch, halten zu Gnaden, die Schlamperei des Vielbeschäftigten im Umgang mit Exzerpten gewesen sein. Man fragt sich ohnehin, was es für einen Sinn haben soll, an mindestens neun Stellen Verweise in einer Arbeit wegzulassen, die mehr als tausend Fußnoten hat?

          Erhielt die Arbeit dadurch den Anschein größerer Originalität? Einige der betreffenden Passagen geben reine Sachinformationen, Lexikonwissen, das als eigenes Gedankengut auszugeben wenig Anlass bestünde. Hier mag man also mangelnde Sorgfalt vermuten.

          Andere Übernahmen hingegen sind stilistisch bearbeitet worden: aus „wesentliche Ursache“ wird „wichtigste Ursache“, aus „Europäer“ „Deutsche und andere Kontinentaleuropäer“, aus „unabhängig davon“ „abgesehen davon“. Auch das Plagiat, mit dem die Arbeit beginnt, zeigt solche Anpassungen; aus „vor 200 Jahren“ wird beispielsweise „vor über 215 Jahren“.

          Hier wird man nicht Nachlässigkeit ohne Bewusstsein der Zitierpflicht an den betreffenden Stellen annehmen können. Niemand vergisst, ob die ersten Absätze eines eigenen Buches aus eigenen Sätzen bestehen oder aus Zitaten. Ein solcher Missgriff und Regelverstoß machen sprachlos.

          Guttenbergs Doktorvater, der Verfassungsrechtler Peter Häberle, hat den Vorwurf des Plagiats dennoch zurückgewiesen: „Der Vorwurf ist absurd. Die Arbeit ist kein Plagiat. Sie wurde von mir in zahlreichen Beratungsgesprächen eingehend kontrolliert. Herr zu Guttenberg war einer meiner besten Seminaristen und Doktoranden.“ Die Universität Bayreuth prüft den Fall nun.

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