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Zu Gast bei Iny Lorentz : Wieso sollten wir literarisch schreiben?

  • -Aktualisiert am

Das Autorenduo Iny Lorentz, von dem die sagenhaft erfolgreichen Wanderhuren-Geschichten stammen, legt keinen Wert auf herkömmlichen Luxus. Ein Besuch auf dem Campingplatz.

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          Es gibt diese symbiotischen Paare, man erkennt sie meist schon von weitem, weil sie entweder als Doppelgänger in nahezu identischer Bekleidung und mit identischen Haarschnitten und Physiognomien auftreten oder im Gegenteil sich als perfekte Ergänzung inszenieren. Dick und Doof wären ein Beispiel für die Puzzlevariante. Oder Cindy und Bert. Iny Klocke und Elmar Wohlrath, einer breiteren Öffentlichkeit bekannt unter dem Pseudonym Iny Lorentz, gehören zur ersten Kategorie. Man kann sie erst bei näherer Betrachtung voneinander unterscheiden, und die beiden scheinen es darauf regelrecht anzulegen. Ihre Auftritte in deutschen Provinzbuchhandlungen, in Buchmesse-Lesezelten oder auf Recherchetournee für eines ihrer nächsten historischen Romanprojekte sind legendär. Wie ein altes Karnevals-Prinzenpaar sitzen sie da - man möchte meinen: verkleidet - in straff sitzenden T-Shirts mit Airbrush-Motiven (Wasserfälle vor dramatischen Ruinenlandschaften), dazu Trekkinghosen, während der kühlen Jahreszeit über dem T-Shirt noch ein schwarzes Lederwestchen und ein buntes Rockerhalstüchlein, das als flexibler Teil der Iny-Lorentz-Uniform gelten darf.

          Man kennt die Autoren der sagenhaft erfolgreichen Wanderhuren-Saga (mehr als vier Millionen verkaufte Titel und mehr als doppelt so viele Zuschauer allein bei der Ausstrahlung des ersten Fernsehfilms) in keiner anderen Kluft. Die Fantasy-Welten auf ihren T-Shirts sind aber keineswegs Verkleidung, sondern ihre Welt - eine Welt freilich, die sich in Hunderte Subkontinente aufsplitten lässt. Iny und Elmar sind überall da zu Hause, wo es menschelt und tragödelt. Im Fantasy-Roman, im Western, bei den Römern, im Mittelalter, in der Heimatschnulze, im politischen Intrigenspiel.

          Auf Wanderschaft im Campingwagen

          Iny und Elmar nennen es „trillern“, wenn sie wieder einen ihrer zeitgenössischen Sex-and-Crime-Stoffe verarbeitet haben, wofür sie ein anderes Pseudonym verwenden, damit es nicht aussieht, als würde ein und derselbe Autor alle erfolgreichen Titel in der Knaur-Belletristik verfassen. Eric Maron, Sandra Melli, Nicola Marni, Mara Volkers, Diana Wohlrath, Annie Lechner: hinter diesen Autorennamen in weiteren Verlagen mit so sprechenden Namen wie „Page & Turner“ verbergen sich immer wieder Iny und Elmar. Wenn sie von ihren Thrillern erzählen, sprechen sie es „Triller“ aus - mit einer Selbstverständlichkeit, die Ironie als Haltung ausschließt. Sie sind vollkommen uneitel, wenn es um Äußerlichkeiten geht. Nur wer sie als Plotfabrikanten sieht, beleidigt Ihren Autorenstolz. „Jedes Buch ist anders“, sagen Iny und Elmar - meistens ergänzen sie sich im Sprechen, solche Grundsätzlichkeiten aber kommen ihnen unisono über die Lippen.

          Das Ehepaar Klocke/Wohlrath hat sich in den siebziger Jahren über eine Fantasy-Fan-Gruppe kennengelernt. Er war Themengruppenleiter und lebte in Bayern, sie war einfaches Vereinsmitglied in Köln. Man schrieb sich seitenlange Briefe zur Sache, damals noch mit Maschine getippt. Elmar steuerte gelegentlich selbstbesprochene Tonkassetten bei. So hatte sie ihn immer bei sich, noch bevor sie sich persönlich kennengelernt hatten. 1982 beschlossen sie zu heiraten. Man kann sagen, dass sie den richtigen Griff gemacht haben. Während sich andere Paare über die Jahrzehnte hinweg entfremden, haben Iny und Elmar sich mit der Zeit und den unzähligen Büchern, die sie zusammen verfasst haben, erst richtig kennengelernt. Weil sie für jeden ihrer Romane Rollenspiele ausprobieren, sich gegenseitig den Plot erzählen, bist er sitzt, und sich mit den entworfenen Figuren identifizieren, bis sie selbst zu ihnen werden, ist ihr Eheleben niemals langweilig. Sie bestehen darauf, ihre Lese- und Recherchereisen im Campingwagen zu unternehmen. Hotels sind ihre Sache nicht. Vielleicht verbringen Iny und Elmar so gern Zeit auf engem Raum, weil sie im Kopf andauernd unterwegs sind.

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