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Zu Ehren des Autors : Der Michael-Althen-Preis für Kritik 2013

Michael Althen (1962-2011) Bild: Frank Röth

Am 15. August ist Einsendeschluss: Zur Erinnerung an Michael Althen, Redakteur und Filmkritiker der F.A.Z. von 2001 bis 2011, hat diese Zeitung einen Preis ausgeschrieben. Zum zweiten Mal soll eine Form der Kritik gewürdigt werden, in welcher analytische Schärfe und Emotion einander bedingen und ergänzen.

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          Am 12. Mai 2011 ist Michael Althen gestorben, und seitdem fehlt er uns, seinen Lesern, die, wenn sie sich in seine Texte vertieften, immer wieder vor dieser einen Frage standen: Woher weiß er so viel über mich? Woran liegt es also, dass er über Empfindungen schreibt, von denen ich dachte, ich wäre mit ihnen allein?

          Claudius Seidl

          Redakteur im Feuilleton.

          Und zugleich fehlt Michael Althen all denen, über deren Werke und Auftritte er schrieb, den Schauspielern, den Autoren, den Regisseuren und Künstlern. Kein Kritiker wurde von denen, die er kritisierte, so genau gelesen und so aufrichtig verehrt und manchmal geliebt wie er - und wie das eine mit dem anderen zusammenhängt, das ist ja der Zauber, das Geheimnis, das Wunder dieser Texte.

          Man kann versuchen, den Zauber schlicht zu beschreiben: Michael Althen hat nicht vergessen, wer er im Leben war und was er von diesem Leben wollte, wenn er über Werke der Kunst schrieb. Die Texte waren lebensnah, ihr Autor hatte ein Herz.

          Man kann es auch ein bisschen komplizierter ausdrücken: Diese Texte schauten sich selbst beim Schauen, Lesen, Schreiben zu; sie reflektierten die Bedingungen des Mitfühlens und des Nachdenkens so anschaulich, dass man sofort bereit war, diesem Kritiker und seinen Urteilen zu vertrauen.

          Und dafür haben ihn die Schöpfer so verehrt: weil dieser Kritiker genau der Zuschauer (oder Leser) war, den man sich wünscht als Künstler.

          Der Michael-Althen-Preis: Die Bedingungen

          Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert. Bewerben kann sich im Prinzip jeder, der zwischen dem 15. August 2012 und dem 15. August 2013 eine Kritik veröffentlicht hat (oder der eine Kritik, die in diesem Zeitraum erschienen ist, für preiswürdig hält und einreichen möchte) – wobei wir um Verständnis dafür bitten, dass uns die Begutachtung deutschsprachiger Texte leichter fällt.

          Die Preisverleihung findet Mitte Oktober statt.

          Bewerbungen können auch online eingereicht werden unter: michael-althen-preis@faz.de

          Im Oktober 2012 wurde zum ersten Mal der Michael-Althen-Preis für Kritik vergeben. Preisträgerin war die Autorin Sarah Khan – mit einem Text über die Fernsehserie „Dr. House“.

          Auch in diesem Jahr schreibt die F.A.Z. wieder den Michael-Althen-Preis für Kritik aus. Es geht nicht ausschließlich um Filmkritik. Es geht aber um Kritik, die nicht unbedingt recht haben will, um Kritik, die sich die eigenen Gefühle nicht mit wasserdichten Begriffen vom Hals hält, um Kritik, die vom Bewusstsein lebt, dass analytische Schärfe und Wahrhaftigkeit der Emotion einander nicht ausschließen.

          Wir hoffen, dass der Preis beides leisten kann: an den ungeheuren Verlust zu erinnern - und zugleich zu versuchen, diesen Verlust zu lindern. Und weil sich große Jurys nur auf kleine Nenner einigen, wird die Jury klein bleiben und besetzt sein mit Menschen, über welche sonst Kritiken geschrieben werden: Autoren, Schauspielern, Regisseuren. Und so setzt sich die Jury zusammen:

          Claudia Michelsen
          Claudia Michelsen : Bild: Felix Seuffert

          Claudia Michelsen

          Die Schauspielerin Claudia Michelsen (*1969 in Dresden, lebt in Berlin) begann ihre Karriere mit fünfzehn Jahren an der Berliner „Ernst Busch“ Schauspielschule, spielte mit Neunzehn an der Volksbühne und später Hauptrollen in Jean-Luc Godards „Deutschland Neu(n) Null“ oder in „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“. Für ihre Rolle in der Uwe-Tellkamp-Verfilmung „Der Turm“ gewann sie im vergangenen Jahr fast alle verfügbaren Preise als beste Schauspielerin.

          Dominik Graf
          Dominik Graf : Bild: dpa

          Dominik Graf

          Der Regisseur Dominik Graf (*1952 in München) dreht Kino- und Fernseh-Filme, insbesondere Krimis. In seiner vielgelobten zehnteiligen Serie „Im Angesicht des Verbrechens“ beschäftigte er sich intensiv mit dem Mafiamilieu. Er gewann zehn Mal und damit so oft wie noch kein anderer den Grimme-Preis, zuletzt 2012 für „Dreileben“. Für die Filmessays „München – Geheimnisse einer Stadt“ und „Das Wispern im Berg der Dinge“ arbeitete Graf mit Michael Althen zusammen.

          Daniel Kehlmann
          Daniel Kehlmann : Bild: Helmut Fricke

          Daniel Kehlmann

          Daniel Kehlmann (*1975 in München, lebt in Wien und Berlin) hatte mit der „Vermessung der Welt“ den größten internationalen Bucherfolg eines jungen deutschen Autors seit langer Zeit, indem er die abenteuerlichen Weltreisen von Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß halbfiktional erzählte. Der Sohn des Filmemachers Michael Kehlmann studierte Philosophie, verehrt die großen Erzähler wie Updike und bewegt sich in seinen Roman immer knapp an der Grenze zum Traumhaften. Im vergangenen Jahr wurde die „Vermessung der Welt“ verfilmt.

          Hanns Zischler
          Hanns Zischler : Bild: ZDF/Walter Wehner

          Tom Tykwer

          Tom Tykwer (*1965 in Wuppertal) ist Regisseur von „Das Parfum“, „Lola rennt“, „Der Krieger und die Kaiserin“ und dem Agentenfilm „The International“. Er produzierte unter anderem „Absolute Giganten“ und initiierte das Kollektiv-Filmprojekt „Deutschland 09“, an dem große Teile der deutschen Regie-Elite beteiligt waren. Tykwer ist außerdem Musiker und hat mittlerweile alle seine Filme musikalisch vertont. Im vergangenen Jahr lief „Cloud Atlas“,  das Gemeinschaftsprojekt mit den „Matrix“-Regisseuren Andy und Lena Wachowski in den Kinos.

          Hanns Zischler

          Hanns Zischler (*1947 in Nürnberg, lebt in Berlin) wurde in den 70er Jahren vom jungen Filmstudenten Wim Wenders entdeckt und ist mit fast 200 Rollen als Mossad-Agent, Nazi, Killer oder Lebemann einer der meistbeschäftigten Schauspieler der Landes – ohne, dass er je eine Schauspielschule besucht hat. Godard bezeichnete ihn wegen seines lakonischen und zurückhaltenden Stils als „Gentleman Actor“. Er arbeitet auch als Dramaturg, Regisseur und Autor von Büchern wie „Kafka geht ins Kino“. Sein neuestes Buch heißt „Berlin ist zu groß für Berlin“.

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