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Zoe Saldana : 2014: Emanzipation im Weltraum

  • -Aktualisiert am

Feministin in Anderwelten: Zoe Saldana nebst Sam Worthington als resolute Neytiri im Megablockbuster „Avatar“ von James Cameron Bild: AP

Der Feminismus in den Weiten des Weltraums ist grün und blau. Exemplarisch verkörpert wird er von der Hollywood-Schauspielerin Zoe Saldana. Sie weiß sehr genau, warum sie so gerne Alien-Frauen spielt.

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          In rund zwei Monaten darf das hiesige Kinopublikum eine der wandelbarsten und interessantesten Filmschauspielerinnen der Gegenwart, Zoe Saldana, als gefürchtete grünhäutige Killerin Gamora bestaunen. Diese Figur ist die letzte Überlebende der Spezies Zen Whoberi, die von den greulichen Badoon im Zuge eines Völkermords ausgelöscht wurde.

          Das Mädchen Gamora wächst nach dem Trauma dieser Verwaisung zunächst als Ziehtochter eines lila Warlords mit gespaltenem Kinn auf, der sich in unerwiderter Liebe zu einer Dame verzehrt, die von Berufs wegen den Tod verkörpert. Gamora ist diesem fragwürdigen Milieu inzwischen entwachsen und zieht jetzt mit einem schwer bewaffneten intelligenten Waschbär, einem geistesgestörten Schläger, einem Dieb adeliger Herkunft und einem sprechenden Baum durch die Milchstraße, um das dort an allen Ecken und Enden kreischende Chaos fallweise einzudämmen oder zu verschlimmern – wie’s halt gerade kommt.

          Der Film, in dem das stattfindet, heißt „Guardians of the Galaxy“, und Zoe Saldana wird wohl nicht damit rechnen, dass die Kritik ihr für die Darstellung der Gamora Kränze flicht, an denen Spruchbänder hängen, die sie für die gestische und mimische Subtilität, psychologische Tiefe, spröde Schönheit und Würde ihres Spiels preisen, wie ihr das zuletzt für ihr Porträt der Geliebten erst eines Stahlarbeiters, dann eines Polizisten in Scott Coopers „Out of the Furnace“ widerfuhr.

          Subjektstatus erst als Außerirdische

          Warum konzentriert sie sich, wenn die Dinge so liegen, nicht auf Jobs, in denen sie zeigen kann, wie gut sie wirkliche Menschen in echten Nöten zu verkörpern weiß? Ihre Antwort, jüngst in mehreren Mitteilungen an die Medien artikuliert: weil man in derlei Sozialdramen als Frau (und überdies nichtweiße, also nicht an Angelina Jolie oder Nicole Kidman erinnernde Person) immer nur beschädigte, jedenfalls kaum je aus der Fülle des selbstbewussten Subjektstatus nach vorn preschende Rollen kriegt.

          Die liegen von Hollywood aus gesehen für ihresgleichen nur im Weltraum bereit, wo Zoe Saldana daher als Gamora, als Lieutenant Uhura in den beiden „Star Trek“-Filmen von J.J. Abrams und als Neytiri in James Camerons „Avatar“-Reihe das grüne, mokkabraune oder blaue Gesicht ins Licht ferner Sterne halten konnte: Schwestern, zu neuen Sonnen, zur Freiheit! Die Erde ist eben in manchen Branchen (Informatiklehrstühle, Herzchirurgie, Blockbuster) immer noch eine ziemlich rückständige Provinz – oder wie der intelligente Waschbär sagt: „Ugh, humans!“

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

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