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Zimmer über AirBnB : Ein Freund, ein falscher Freund

Kann das legal sein? Drei New Yorker wollten einen Iglu vermieten, doch Airbnb nahm das Angebot bald wieder von der Plattform. Bild: dpa

Airbnb ist weltweit die größte Plattform für die Vermittlung privater Unterkünfte. Das Unternehmen stellt sich gerne als Glücksfall der Globalisierung dar, weil es reisende Menschen zusammenbringt. Doch was steckt dahinter?

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          Als vor kurzem ein Blizzard über die amerikanische Ostküste hinwegfegte und Schnee in Massen brachte, sorgte die Vermietungsplattform Airbnb wieder einmal für eine erstaunliche Nachricht: Ein Mann namens Patrick Horton aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn, der sich den Schnee ökonomisch zunutze machen wollte, hatte in seinem Hinterhof ein Iglu gebaut und bei Airbnb als „Boutique Winter Iglu for two“ offeriert. Der Preis pro Nacht: zweihundert Dollar. Nach nur sechs Stunden, in denen Patrick Horton mehrere Anfragen erhalten haben soll, entfernte Airbnb das Iglu-Angebot wieder von seiner Website. Es entspreche nicht den Standards, hieß es.

          Melanie Mühl
          Redakteurin im Feuilleton.

          Dabei ist ein Iglu in einem Hinterhof in Brooklyn – sehen wir einmal von den geforderten Standards wie einer Toilette ab – wohl tatsächlich einzigartig, womit es ein wichtiges Airbnb-Kriterium erfüllt. Außerdem traut man einer solchen Unterkunft zu, jenes vielbeschworene Gemeinschaftsgefühl zu wecken, mit dem das 2008 gegründete Silicon-Valley-Start-up seit jeher wirbt. Airbnb vermarktet sich als Globalisierungsglücksfall, als ein Unternehmen, das den Reisenden das Gefühl der Geborgenheit in einer unübersichtlichen Welt und die Gewissheit des persönlichen Kontaktes in der anonymen Masse gibt. Während man in Hotels eincheckt, heißen einen Airbnb-Gastgeber willkommen. Während ein Concierge dem Hotelgast eine Liste mit irgendwelchen Restaurants in die Hand drückt, verrät einem der Hausherr seine persönlichen Lieblingsorte. So isst man in Schanghai mit seinen neuen chinesischen Bekanntschaften in einem Restaurant, das nur von Einheimischen besucht wird, oder fährt in Göteborg gemeinsam mit dem Vermieter Fahrrad. Niemand ist in der schönen, neuen Airbnb-Welt mehr ein Fremder, sondern jeder ein Freund. So das Narrativ. Und die Auswahl an Freunden ist wahrlich imposant: Mehr als zwei Millionen Unterkünfte in 190 Ländern sind inzwischen auf der Website gelistet, der Wert des Unternehmens wird auf 25 Milliarden Dollar geschätzt.

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          Gentrifizierung im Schnelldurchlauf: In San Francisco soll ein Gesetzentwurf namens „Proposition F“ die Kurzmiete verhindern, die Mietpreise in einigen Vierteln nach oben treibt. : Bild: AFP

          Schlüssel werden gerne irgendwo hinterlegt

          Als sich Ende vergangenen Jahres die Airbnb-Führungsspitze und ein paar tausend Vermieter in Paris zum „Airbnb Open“ trafen, war viel von diesem Gemeinschaftsgefühl, dem Gastgebergedanken von „Airbed and Breakfast“, die Rede. Der Gründer und Vorstandschef Brian Chesky sagte: „Unser Unternehmen ist anders als andere Internet-Start-ups. Bei uns steht nicht eine Technologie im Mittelpunkt, sondern der Mensch. Wer mit Airbnb reist, lernt eine Stadt über ihre Bewohner, nicht über ihre Bauten und Sehenswürdigkeiten kennen.“

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          So weit die Theorie. In der Praxis sieht eine Anmietung oft so aus: Man kommuniziert mit dem Vermieter ausschließlich per Mail, erhält von ihm die Adresse sowie einen Termin für die Übergabe der Schlüssel, die dann gerne – sofern es sich um eine komplette Wohnung handelt – in irgendeinem Blumenladen oder an irgendeiner Tankstelle hinterlegt werden. Manche äußern auch Bitten wie diese: „Beachte in der Wohnung, dass es ein Nichtraucherhaushalt ist, und ziehe nach dem Duschen bitte immer die Glasabtrennung mit dem Wischer ab. Danke dir und ein schönes, sonniges Wochenende in Hamburg! LG PS: Als Tipp, da du neu bei Airbnb bist. Vervollständige dein Profil noch mit einem Bild und ein paar Worten zu deiner Person.“

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