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„Zero K“ von Don deLillo : Die kalte weiße Stille

Sibirien sei dazu gemacht, um solche Dinge aufzufangen, heißt es in DeLillos Roman. Der Kondensstreifen eines Meteors über der Stadt Tscheljabinsk im Ural. Der Einfall fand am 15. Februar 2013 statt, von den Folgewirkungen wurden mehr als 1500 Menschen verletzt. Bild: AP

Don DeLillo, der amerikanische Schriftsteller und Spezialist für Zeitdiagnostik, hat einen neuen Roman geschrieben. „Zero K“ handelt von Tod und Unsterblichkeit und von Menschen, die sich einfrieren lassen, weil sie wiederauferstehen wollen.

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          Es gibt eine Welt nach der Welt, und wenn das auch unser Vorstellungsvermögen überfordern mag, weil wir kein Paradies voller Jungfrauen vor uns sehen, weil wir auch die vagen Tröstungsangebote und Heilsversprechen der anderen Weltreligionen längst im Museum der interessanten Gedanken abgelegt haben, wenn wir also überhaupt noch etwas über das Nachleben oder die Unsterblichkeit lesen wollen, dann könnte man sich dafür keinen besseren Autor wünschen als Don DeLillo.

          Peter Körte
          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Von ihm stammen Romane, ohne die man das Amerika, ach was: die Welt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts weniger klar und scharf sehen würde. „Unterwelt“ oder „Sieben Sekunden“ oder „Weißes Rauschen“, um nur ein paar zu nennen.

          Nun scheint dieser Don DeLillo auf einmal, mit fast 80 Jahren, einen Science-Fiction-Roman zu schreiben, zumindest ein Buch, das mit ein paar Elementen des Genres spielt. „Zero K“ ist sein 16. Roman, und natürlich bestätigt auch er, was sich in „Weißes Rauschen“ so wunderbar zweideutig formuliert findet: Dass alle Plots zum Tod tendieren, wobei Plot eben nicht nur Handlung bedeutet, sondern auch Verschwörung.

          Im Titel „Zero K“ liegt bereits der Hinweis auf ein Verfahren. Der Begriff bezeichnet den absoluten Nullpunkt, null Kelvin, den Grenzwert, der von Physikern bei -273,15 Grad Celsius fixiert wurde. Und all jene, die ihren Körper in flüssigem Stickstoff einfrieren lassen, weil sie hoffen eines Tages aus dem Kälteschlaf aufzuerstehen, werden nun zwar nicht bei Null Kelvin konserviert, aber immerhin bei -196 Grad.

          Das klingt wie eine Fiktion, wie ein gern benutztes Motiv von Schriftstellern oder Drehbuchautoren, die auch schon Sylvester Stallone in „Demolition Man“ oder Mel Gibson in „Forever Young“ eingefroren haben, die Tom Cruise in „Vanilla Sky“ in den Kälteschlaf versetzten oder Reisende in ferne Galaxien wie in „Avatar“ oder „Interstellar“.

          Einfrieren für das ewige Leben

          Fiktion ist daran allerdings nur die Annahme, dass dieses Verfahren funktionieren könnte. Tatsache ist, dass sich mehr als 250 Menschen in den Vereinigten Staaten in flüssigem Stickstoff haben konservieren lassen, manche Optimisten auch nur Kopf und Hirn; ein paar Dutzend sind in Russland schockgefrostet, und wenn in Deutschland nicht die gesetzlichen Grundlagen dafür fehlten, gäbe es mit Sicherheit auch zahlreiche Aspiranten, die sich in Kryostase begeben würden, wie sich dieser Schritt nennt, weil sie sich nach dem ewigen Leben sehnen.

          Bei Don DeLillo ist es ein Finanztycoon namens Ross Lockhart, der viel Geld in ein Projekt namens „The Convergence“ investiert hat, das irgendwo in der kasachischen Wüste liegt. Die nächste Stadt, heißt es einmal vage, sei wohl Bischkek in Kirgistan.

          Lockhart, der vom unaufhaltsamen Fortschritt der Kryonik überzeugt ist, will seine schwerkranke zweite Frau dort sterben und konservieren lassen, und er ringt zugleich mit der Entscheidung, sie sofort in den Tod zu begleiten, der in dieser Logik nur Vorstufe zu Wiederauferstehung und Unsterblichkeit ist. Lockharts Motivation, die Geschäftstüchtigkeit mit etwas Altruismus vereint, spricht schon aus dem ersten Satz von „Zero K“: „Jeder will das Ende der Welt besitzen.“

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