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Zensur in Weißrussland : Unabhängige sind gefährdet

  • -Aktualisiert am

Kein Ende in Sicht: Die Regierung Lukaschenko bekämpft eigenwillige Denker. Bild: AFP

Das weißrussische Regime hat dem politisch unbequemen Verlag „Logvinau“ die Lizenz entzogen. Das Urteil zeigt: Die künstlerische Freiheit ist im autoritären Weißrussland weiterhin bedroht.

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          Am kommenden Sonntag erhält Swetlana Alexijewitsch im Rahmen der Frankfurter Buchmesse den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. In ihrer weißrussischen Heimat braucht man Mut, wenn man publizistisch tätig ist. Und wer dort einen Verlag für avantgardistische, noch dazu weißrussischsprachige Literatur ins Leben ruft, muss das Herz eines Kamikaze-Kriegers haben.

          Der Buchmarkt wird von staatlichen Verlagen dominiert, zudem hat das Weißrussische selbst in seiner Heimat einen schweren Stand. Es ist eine Sprache, die im Land des Präsidenten Aleksandr Lukaschenka bewusst als Sprache der Opposition dämonisiert und bekämpft wird. Der Markt für solch eine Literatur ist in einem Land von rund 9,5 Millionen Einwohnern sehr übersichtlich. Wenn ein Schriftsteller tausend Bücher verkauft, gilt dies als Sensation.

          Ihar Logvinau wusste um diese Schwierigkeiten, als er vor zehn Jahren seinen Verlag „Logvinau“ gründete. Der Jahrtausendbeginn war eine dynamische Zeit für eine junge Literatur, die sich mit mutigen Experimenten von den Klassikern lösen wollte. Wer sich dafür interessiert, für den sind der Verlag und die Buchhandlung Logvinau in Minsk die erste Adresse. Neben zeitgenössischen Autoren veröffentlichte Logvinau, der vor Kurzem auch eine Filiale in Warschau eröffnet hat, Bücher zu Geschichte, Politologie und Kunst sowie Übersetzungen internationaler Schriftsteller wie beispielsweise des Ukrainers Jurij Andruchowytsch oder der Deutschen Gudrun Pausewang. Auf der Buchmesse wollen der Verlag und seine Mitstreiter das Projekt „Books from Belarus“ präsentieren.

          Schlag gegen die Freiheit der Künste

          In der vergangenen Woche jedoch erhielt die Verlagsleitung ein Schreiben aus dem Informationsministerium des Landes, in dem Logvinau der Lizenzentzug mitgeteilt wird: „aus Gründen der groben Verletzungen der Regeln für die Lizenzierung“. Mit anderen Worten: Der Verlag darf seine Arbeit nicht fortführen. Als Grund wird die Herausgabe des Bildbandes „Belarus Press Photo 2011“ angegeben. Das Begleitbuch des Fotografiewettbewerbs war bereits im April 2013 ins Visier der Behörden geraten. Ein Gericht hatte die Herausgeber damals des „Extremismus“ bezichtigt. Das Buch sollte laut Urteil des Gerichts „vernichtet“ werden. Dieser Schlag des autoritären Regimes gegen die künstlerische Freiheit hatte eine Welle an internationaler Kritik ausgelöst.

          Dass nun der Verlag selbst attackiert wird, zeugt davon, dass Lukaschenkas Regierung weiter eigenwillige Denker bekämpft und nicht an einer Öffnung interessiert ist. Und das, obwohl man sich erhofft, dass die EU ihre Sanktionen gegen Weißrussland bald aussetzen werde (die Sanktionen werden Thema des EU-Gipfels sein, der im November im litauischen Vilnius stattfindet). Andrej Bastunez, der Anwalt der Weißrussischen Journalistenvereinigung, hat angekündigt, gegen den Lizenzentzug gerichtlich vorgehen zu wollen. Nach seiner Auffassung handelt das Ministerium selbst gegen das Gesetz: „Bei der Gerichtsverhandlung zum Fall des Buches ,Belarus Press Photo 2011‘ war Logvinau noch in keiner Weise involviert. Und nun macht das Ministerium dieses Urteil zur Grundlage seiner Entscheidung.“ Auf den Internetseiten des Verlages artikulieren sich nun die Unterstützer von Logvinau. „Halte durch, Ihar!“, kommentiert dort eine Frau. „Wir brauchen dich doch.“

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