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Springer-Verlag : Geschäft auf die Zukunft

Springer-Konzernzentrale in Berlin Bild: dpa

Der Springer-Verlag hat verstanden, wie man mit der Zeit geht. Mit seinen Onlinerubriken macht er gutes Geschäft. Jetzt gibt er sich auch noch die dazu passende Unternehmensform. Eine kleine Revolution.

          1 Min.

          Die Zeichen der Zeit erkennen. Das ist bei der Entwicklung digitaler Geschäfte eine durchaus hohe Kunst. Der Springer-Verlag hat sich darin zuletzt ganz gut geübt. So wurde im März 2012 das Unternehmen Axel Springer Digital Classifieds gegründet, das sich mit allerlei Onlinerubrikengeschäften befasst. Unter anderem das französische Immobilienportal SeLoger und die britische Jobbörse Totaljobs gehören dazu. In den ersten drei Quartalen dieses Jahres hat das Unternehmen einen Umsatz von rund 357 Millionen Euro gemacht und einen operativen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen von 160 Millionen Euro abgeworfen. Den Investor General Atlantic hatte Springer als Dreißig-Prozent-Teilhaber ins Boot geholt. Und der macht jetzt richtig Kasse. Denn Springer kauft fünfzehn Prozent der Aktien zurück – für 446 Millionen Euro. Bei der Gründung von Axel Springer Digital Classifieds hatte der Investor für dreißig Prozent der Aktien noch 237 Millionen Euro bezahlt.

          Die Wertsteigerung ist enorm und zeigt, dass man im Internet, wenn man es richtig anstellt, sehr wohl Geld verdienen kann (und nicht immer nur über Google jammern muss). Und weil das so ist, verändert der Springer-Konzern gleich seine ganze Rechtsform. Aus einer europäischen Aktiengesellschaft SE wird eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA). Was bedeutet, dass Springer flexibler investieren und Ankäufe mit eigenen Aktien bezahlen kann. Friede Springer gibt ihre Aktienmehrheit auf, behält aber trotzdem das letzte Wort, weil die Stimmrechte von den Kapitalanteilen entkoppelt werden.

          Springer im eigenen Laden ohne Mehrheit, aber immer noch Herr im Haus: Das darf man, wie es ein Kollege in der Pressekonferenz auch tat, durchaus als „historischen Moment“ bezeichnen oder für die „wichtigste Nachricht“ halten, die „wir seit vielen, vielen Jahren bekanntgegeben haben“, wie der Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner sagte. Friede Springer geht also mit der Zeit. Die Zeichen, die ihr Unternehmen beachtet, werden von den Silicon-Valley-Konzernen gesetzt. Man muss sie nur für sich zu deuten wissen.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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