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Was Autoren nicht gerne hören : Sie schreiben? Sie?

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Ich schreibe gerade auch an etwas. Kannst Du es deinem Verlag empfehlen? Bild: dpa

Auf Twitter sammeln Leser wie Autoren die Sätze und Fragen, mit denen man Schriftsteller besser nicht konfrontiert. Was im Gespräch für beide Seiten unangenehm ist, entfaltet hier besten Unterhaltungswert.

          Ist das autobiographisch? Kaum ein Autor wird begeistert sein, wenn ihm nach der Lesung diese Frage aus dem Publikum gestellt wird. Inzwischen gibt es auf Twitter „#TenThingsNotToSayToAWriter“; jeder ist aufgefordert, die peinlichsten Sachen beizutragen, die man Schriftstellern sagen kann, aber nicht sagen sollte. Zum Beispiel: Nein, jetzt im Ernst, was machen Sie wirklich? Beliebt weiterhin: Ich schreibe auch einen Blog. Ich wünschte, ich hätte so viel Zeit. Ich hoffe mal, Ihr Ehepartner verdient genug. Ich würde auch gern den ganzen Tag dasitzen und nichts tun. Aha, Sie sind Schriftsteller. Haben Sie einen Plan B? Sie sind Schriftsteller? Mein Großvater hat auch ein Tagebuch geführt. Was schreiben Sie?

          Ich lese furchtbar gern, gerade habe ich „Fifty Shades of Grey“ beendet. Meine Tante Betsy ist auch Schriftstellerin, kennen Sie sie? Vielleicht sollten Sie ein Buch über (passendes Thema einsetzen) schreiben anstatt über Ihr derzeitiges. Ich habe einen ganzen Roman im Kopf, den müssten Sie nur aufschreiben! Vater erstochen, Bruder erschossen, ich fünfmal dem Tode nah, wollen Sie über mich schreiben? Wir treffen uns im Hotel ... Warum ist Ihr Held nicht liebenswürdiger? Sie müssen depressiv sein, so gut ist Ihnen die Beschreibung der Depression gelungen. Wollen Sie in Ihrem Buch wirklich „Gott“ schreiben? Es könnte manche Leser verletzen. Sie sehen viel besser aus als auf dem Foto beziehungsweise: Auf dem Foto sehen Sie viel jünger aus. Einer Autorin gegenüber: Schreiben wird so ein schönes Hobby sein, wenn die Kinder mal groß sind. Sie können Ihren Ex ins Buch reinschreiben und ihn dann umbringen lassen. Ich habe eine Idee für ein Kinderbuch. Steht man dem Autor gegenüber, dann sage man: Schriftsteller? Wirklich? Sie? Zu einem von der Gattung Science-Fiction passt: Aber Raumschiffe fliegen nicht so schnell!

          Kennt man den Autor, dann eröffnen sich hübschere Möglichkeiten der aufdringlichen Fragerei: Was macht denn das Buch so, wie geht’s mit dem Roman voran? Ist man mit einem Autor schon im Gespräch, dann sage man der Begleitung: Rede nicht so laut, du kommst am Ende in die Geschichte rein. Die Liste hat im englischsprachigen Netz schnell die Runde gemacht und wurde in den vergangenen Wochen zu einem großen, auch von der Buchbranche beachteten Erfolg. Der Preis für den besten und gemeinsten Satz aber gehört mir. Bei der Überreichung des druckfrischen Buches an die Geliebte sagt sie: „Scha-hatz, die ganze Geschichte hast du mir doch schon so oft erzählt!“ Und das ist autobiographisch.

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          Lorenz Jäger

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