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Neue TV-Serie „Clan“ : Fünf Frauen und ein Todesfall

Wo bleibt er bloß? Die Schwestern (von links) Birgit (Ruth Becquart), Rebekka (Maaike Neuville), Veerle (Kristine Van Pellicom) und Eva (Barbara Sarafian) üben sich als Attentäterinnen. Bild: Sofie Silbermann

Die Schwestern Goethals haben ein Problem: Schwager Jean-Claude muss weg. Sie fassen einen mörderischen Plan, der immer wieder scheitert. Für die belgische Serie „Clan“ gilt das nicht. Sie hat Klasse.

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          Hercule Poirot, der belgische Meisterdetektiv, hätte hier leichtes Spiel. Er würde die Verdächtigen nicht erst zum Ende der kriminalistischen Erzählung um sich versammeln und sein berühmtes Reise-nach-Jerusalem-Spiel aufführen, das in der Dingfestnahme des Täters oder der Täter mündet. Agatha Christies Privatermittler mit dem ausgeprägten Selbstbewusstsein und der überragenden Kombinationsgabe wüsste auf den ersten Blick, was mit Eva, Veerle, Birgit und Rebekka Goethals los ist.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die vier Schwestern hatten, das wissen wir in der Serie „Clan“ von Beginn an, den Entschluss gefasst, ihren Schwager Jean-Claude umzubringen. Jetzt ist er tot. Die fünfte Schwester, Goedele, blieb ahnungslos und ist nun eine Witwe, die vor Trauer vergeht. Sie unterwarf sich ihrem Mann und schien nicht verstehen zu wollen, welch ein Tyrann dieser Jean-Claude war. Dass nicht nur ihre Schwestern allen Grund hatten, ihn ins Jenseits zu befördern, werden wir bald sehen.

          Jede hat eine Rechnung offen

          Eine jede von ihnen hatte mit dem schmierigen Schwager eine Rechnung offen, eine jede hatte er gedemütigt oder verletzt. Über Eva fiel er her und versaute ihre Karriere, Birgit verlor ein Auge bei einem Unfall, den Jean-Claude verursachte. Da kann man beim Silvesterumtrunk schon einmal auf andere Gedanken kommen.

          Die wiederum scheinen die Versicherungsagenten Mathias und Thomas DeWitt lesen zu können. Müssten sie die Lebensversicherung für den Verstorbenen auszahlen, wäre ihre Agentur endgültig pleite. Allein aus diesem Grund kommt ihnen die Todesursache - Jean-Claude soll sich mit einem Häkelschal bei einer Fahrt mit dem Motorrad selbst stranguliert haben - doch etwas verdächtig vor. Der Blick in die Akten zeigt den DeWitts zudem, welch abstruse Unfälle dieser Jean-Claude Delcorps in den vergangenen Monaten hatte. Wenn das kein Grund ist, auf der Trauerfeier sein Beileid zu verkünden und den Frauen in Schwarz auf den Zahn zu fühlen. Die Polizei interessiert sich schließlich nicht für den Fall.

          Ahnt er, was auf ihn zukommt? Jean-Claude (Dirk Roofthooft) wird misstrauisch.
          Ahnt er, was auf ihn zukommt? Jean-Claude (Dirk Roofthooft) wird misstrauisch. : Bild: Sofie Silbermann

          Den erzählt die Drehbuchautorin Malin-Sarah Gozin in ihrer bösen Komödie vom Finale her. Jean-Claude ruht auf dem Gottesacker. Doch wer hat ihn dorthin befördert? Und wie? In zehn Episoden werden wir sehen, wie Eva (Barbara Sarafian), Veerle (Kristine Van Pellicom), Birgit (Ruth Becquart) und Rebekka (Maaike Neuville) versuchen, ihren Plan in die Tat umzusetzen, von dem die scheinbar abgestumpft-naive Goedele (Inge Paulussen) nichts wissen darf. Sie erweisen sich als ebenso findig wie tollpatschig, ihre Unfall-Szenarien sind von ausgesuchter Delikatesse, allein: Der perfekte Mord sieht anders aus. Und auch ihre Alibis sind nicht wasserdicht. Die beiden DeWitts treten zwar eher wie Don Quijote und Sancho Pansa auf denn als Nachfahren Hercule Poirots, für die Schwestern wird die Geschichte gleichwohl zunehmend unerquicklich.

          „Desperate Housewives“ als belgisches Praliné

          Die verschiedenen Zeitebenen, mit denen die Serie notwendigerweise arbeitet, machen uns mit dem scheinbar gediegenen Alltagsleben der Schwestern bekannt. Es sind wenig aufregende Mittelschichtexistenzen in der flämischen Provinz. Große Träume hat keine der Schwestern mehr, weder beruflich noch privat, alles läuft so la la, die Männer sind auch nicht gerade die Heuler - so ein wenig „Desperate Housewives“ als belgisches Praliné. Doch haben die Goethals-Sisters, deren Eltern früh starben, bei allem immer noch sich: fünf Schwestern für ein Halleluja, dem sie sich verschrieben haben auf Gedeih und Verderb.

          Zwangsläufig taucht in den zehn Folgen permanent der verstorbene Jean-Claude wieder auf, den eigentlich niemand wiedersehen will und auf den man sich auch als Zuschauer nicht eben freut. Dirk Roofthooft spielt diesen Charakter als Menschenfeind sondergleichen, der sich sein unrühmliches Ende verdient. Man versteht von Folge zu Folge besser, dass die Schwestern Goethals ihren mörderischen Plan zwar aus einer Sektlaune heraus gefasst haben, das aber beileibe keine Schnapsidee war.

          Vom Zuschnitt her ist „Clan“ nicht revolutionär, aber durchaus verwegener als die meisten Serien hiesiger Machart. Weshalb sie wohl auch nicht im ZDF, sondern bei ZDFneo läuft. In ihren besten Momenten erinnert die Geschichte einer unverbrüchlichen Schwesternschaft an den absurden Humor von Dany Boon, geschrieben ist sie als Ensemble-Stück für fünf Schauspielerinnen, allein die Exposition sorgt für eine gewisse Vorhersehbarkeit. Wobei das Ende dann ja vielleicht doch gar nicht so vorhersehbar ist.

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