https://www.faz.net/-gqz-8adtn

ZDF zieht Beitrag zurück : Was sollen denn die Kinder denken?

Mit den Kolonien fing alles an: Erklärungsversuch bei „Logo!“ Bild: ZDF

Der Versuch, die Anschläge von Paris in der Kika-Sendung „Logo!“ kindgemäß zu erklären, ist gründlich schiefgegangen. Jetzt hat der Sender den Beitrag aus der Mediathek entfernt.

          Warum gerade Frankreich zum Ziel islamistischer Terroristen wurde? Die Kika-Nachrichtensendung „Logo!“ weiß die Antwort. Die sei nämlich ganz einfach, erklärt sie ihrem jungen Publikum: Die Franzosen hatten früher Kolonien, dort waren die Menschen Muslime, die wurden von den Franzosen ausgebeutet, die Nachfahren der Ausgebeuteten aus den Kolonien leben heute in Vorstädten und sind arm, deshalb sind sie wütend, und manche von ihnen begehen im Namen ihrer Religion schlimme Dinge. So die Argumentation, die einen Trickfilm mit teils grimmig, teils freundlich dreinschauenden Männlein unterlegt.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Er läuft auf die Moral hinaus: Die Franzosen sind selbst schuld, weil sie die anderen zuerst gehauen haben, und die Männer vom IS sind eben besonders wütend über die alten Kolonialherren. Kein Wort vom innerislamischen Glaubenskonflikt, der zum Aufstieg des radikalen Islams führte, keines zu Syrien, keines zur Rolle der Saudis, erst recht keines dazu, dass auch Menschen in Ländern ohne Kolonialvergangenheit bedroht sind - weil es den Radikalen nicht um offene diesseitige Kolonialrechnungen geht, sondern um Vernichtung Andersgläubiger und Belohnung im Jenseits. Wenn dieser Beitrag etwas lehrt, dann wie man Kindern (und Erwachsenen) die Attentate von Paris nicht erklären kann.

          So einfach ist Radikalisierung nicht zu erklären: Screenshot aus dem „Logo!“-Trickfilm

          Das ZDF hat daraus nach Zuschauerkritik Konsequenzen gezogen und den Beitrag aus der Mediathek entfernt. Er soll überarbeitet werden.

          Weitere Themen

          Ach, sagte die Kresse

          Martina Wildners Kinderroman : Ach, sagte die Kresse

          Auch zuvor schon hat Martina Wildner nie alle übersinnlichen Rätsel aufgelöst, die sich im Lauf der Erzählung entwickeln: Mit „Dieser verfluchte Baum“ vollendet sie ihre Schauer-Trilogie.

          Der große Bewunderer

          Essayist Peter Hamm : Der große Bewunderer

          Keiner teilte so generös seinen Enthusiasmus für Literatur: Zum Tod des Journalisten, Essayisten und Dichters Peter Hamm.

          Topmeldungen

          Boris Johnson und die EU : Trotz allem – Partner

          In Brüssel hat man Boris Johnson in unangenehmer Erinnerung behalten. Dennoch sollten die „Europäer“ ihm, wo immer möglich, die Hand reichen – nur zu einem nicht.
          Laut Sebastian Kurz habe es sich bei der Datenvernichtung um einen „normalen Vorgang“ gehandelt.

          Datenträger geschreddert : Kurz und der Reißwolf

          Der damalige österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz ließ nach dem Platzen der Koalition mit der rechten FPÖ durch einen Mitarbeiter inkognito Daten vernichten. Warum?

          Greta Thunberg in Paris : Macrons Worte sind ihr zu wenig

          Für ihre kurze Rede erhält die Klimaaktivistin in der französischen Nationalversammlung viel Applaus, besonders aus Macrons Partei – obwohl Thunberg den Präsidenten zuvor kritisiert hat.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.