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„Zerstörung der CDU“ bei Youtube : Kommt damit klar!

Knapp eine Stunde Klartext: Der Youtuber Rezo in seinem Video „Die Zerstörung der CDU“ Bild: Rezo ja lol ey / Youtube

„Ihr sagt doch immer, dass die jungen Leute mehr Politik machen sollen“: Ein politisches Video des Youtubers Rezo sorgt unter Jugendlichen für Aufregung. Sein Titel: „Die Zerstörung der CDU“.

          Jugendzimmer: Das sind diese Räume, an deren immer geschlossenen Türen gern „Elternfreie Zone“ steht, „Unbefugten ist das Betreten verboten“ oder schlicht „Raus!“. Am Sonntag allerdings sind viele dieser Türen aufgegangen, ihre Bewohner sind klaren Blicks und ernster Miene herausgekommen und haben, statt dem Klischee zu entsprechen und sich genervt an den Frühstückstisch zu lümmeln, eine eindringliche Empfehlung zur anstehenden Europawahl an ihre Eltern gerichtet. Eine Empfehlung, welche Parteien sie bitte auf keinen Fall wählen sollten. Was war geschehen?

          Während sich am Samstagabend viele der politisch Interessierten mit einem auf Ibiza entstandenen Video und seinen Folgen für Österreich befassten, die sportlich Interessierten mit den Ereignissen des letzten Bundesliga-Spieltags und die Musikbegeisterten mit dem anstehenden Eurovision Song Contest, hatte einer der bekannteren Youtuber des Landes ein Video der für ihn eher ungewöhnlichen Art ins Netz gestellt. In ihm befasst sich Rezo – Markenzeichen blauer Haarschopf, Hauptbetätigung Musik- und Comedy-Videos – knapp eine Stunde lang mit Politik. Sein Video heißt „Die Zerstörung der CDU“ und wurde innerhalb eines Tages eine Million mal aufgerufen.

          Man muss nicht einmal damit rechnen, dass sich alle der mehr als 600.000 vor allem jugendlichen Abonnenten seines Zweitkanals „Rezo ja lol ey“, auf dem das Video zu finden ist, „Die Zerstörung der CDU“ komplett angesehen haben, aber man kann das den hiesigen Politikern, auch außerhalb der CDU, nur empfehlen, dazu den Eltern von Teenagern und allen, die sich fragen, mit welchen Mitteln Jugendliche, Erstwähler, junge Erwachsener statt zur befürchteten Politikverdrossenheit zu so etwas wie demokratischer Teilhabe finden. „Ihr sagt doch immer, dass die jungen Leute mehr Politik machen sollen“, sagt Rezo gegen Ende der Aufnahme, „dann kommt doch damit klar, wenn die jungen Leute eure Politik scheiße finden.“ Und genau so findet Rezo, selbst 26 Jahre alt, die Politik von CDU, CSU, SPD – und, als Fußnote ergänzt, ohne sie in seine umfassende Analyse einzubeziehen, der AfD.

          „Eine lebensverachtende Politik“

          Am Anfang verspricht er „kein langweiliges Politikvideo, sondern wirklich ein Zerstörungsvideo“. Allerdings werde er nicht „aktiv“ versuchen, jemanden zu zerstören. „Die Fakten und Tatsachen“ sprächen einfach dafür, „dass die CDU sich selbst, ihren Ruf und ihr Wahlergebnis damit selbst zerstört“. Was Rezo dafür zusammengetragen hat, ist einerseits ein kleines Pleiten-und-Pannen-Best-of aus Tilo Jungs politischem Interview-Kanal „Jung & Naiv“, andererseits ein Fußnoten-, Beleg- und Quellenwerk von Format, dass nicht nur Rezo selbst – „ich muss ehrlich sagen, f*** ist das heftig“ – staunen lässt.

          „Ich werde in diesem Video zeigen, wie CDU-Leute lügen, wie ihnen grundsätzliche Kompetenzen für ihren Job fehlen, wie sie gegen deutliche Expertenmeinungen Politik machen, wie sie sich augenscheinlich an verschiedenen Kriegsverbrechen beteiligen, wie sie Propaganda und Unwahrheiten gegen die junge Generation einsetzen, wie bei ihrer Politik die letzten Jahrzehnte die Reichen immer mehr gewinnen und alle anderen immer mehr ablosen, und ich zeige, dass nach der Expertenmeinung von zigtausenden deutschen Wissenschaftlern die CDU aktuell unser Leben und unsere Zukunft zerstört“, verspricht Rezo. Es folgt ein Tour de force durch Wohlstandsverteilung, Chancenungleichheit und Klimapolitik, Bündnispolitik und die aufgeheizte Urheberrechtsdebatte.

          Kaum hat er der Union mit Blick auf ihren Umgang mit der menschengemachten Erderwärmung eine „zukunftzerstörende, umweltzerstörende und damit lebensverachtende Politik“ attestiert, schlägt er  vor, zum Aufheitern „ein paar CDU-ler“ anzuschauen, „die einfach keinen Plan von ihrem Job haben“: Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung und der Berichterstatter im EU-Parlament zur Urheberrechtsnovelle sind seine Beispiele.

          Dass amerikanische Kampfdrohneneinsätze im Nahen und Mittleren Osten von der in Deutschland gelegenen Luftwaffenbasis aus von der Bundesregierung geduldet werden, obwohl immer wieder auch Zivilisten getötet werden, beschreibt Rezo dann mit eindrucksvollen Bildern, um die Frage anzuschließen, ob seine Zuschauer das geschmacklos fänden. „Ich auch. Behaltet diese Emotion, die ist wertvoll.“

          Wir sollten ihm dankbar sein

          Auch bei seinem letzten großen Thema kann er sich der Bestürzung und Empörung seines Publikums sicher sein: Mit Blick auf die von beiden Seiten mit Verkürzungen und Verzerrungen betriebenen Kampagnen vor den Abstimmungen zur Urheberrechtsnovelle nennt er „Verschwörungstheorien“ über aufgekaufte Demonstranten, über Fake-Kampagnen von Unternehmen und E-Mails an Parlamentarier, die nach Darstellung mancher Politiker Fakes sein mussten, weil sie von GMail-Konten aus verschickt worden waren. „Niemand davon hat irgendwas belegt, die haben einfach Bullshit über ihre politischen Gegner erzählt“, behauptet Rezo. Tatsächlich sind solche Punkte in der erhitzten Debatte vielfach aus dem Kontext gerissen,  verallgemeinert und so zu Desinformation geworden: Wer pauschal behauptet, Demonstranten wären gekauft und Nutzer von GMail-Konten Bots, schadet nicht nur der Diskussion und der eigenen Position. Beschränkt auf konkrete Situationen haben sich in beiden Punkten Auffälligkeiten zeigen lassen.

          Aber bei vorherrschenden Gefühlen wechselseitiger Missachtung sind solche Nuancen schwer zu halten. „Wenn jetzt so ein CDU-Dulli ankommt und einfach meint, Lügen über solche Demonstrationen zu erzählen und zu sagen, ey, da sind Demonstranten, das sind keine legitimen Demonstranten, dann kommt bei den Leuten an, ey, das zählt gerade nicht, die Demonstration gilt nicht“, fasst Rezo zusammen. „Damit entwertet der dann diesen demokratischen Prozess. Das heißt, er hat sich nicht nur asozial den eigenen Bürgern gegenüber verhalten, sondern vor allen Dingen demokratiefeindlich.“

          Das sind große Worte gegen Ende eines langen Rants, auf den sich – zustimmend, ergänzend und im Widerspruch – einiges über demokratische Prozesse antworten ließe, über politischen Interessenabgleich, verschiedene Spielarten der Einflussnahme, außenpolitische Verpflichtungen und persönliche Aussetzer von Politikern. Und auch wenn Rezos Video in manchen Punkten schmerzhaft verkürzt, verzerrt und polemisiert, sollten dem Youtuber auch diejenigen dankbar sein, die auf „Die Zerstörung der CDU“ zuvörderst mit Empörung reagieren wollen: Immerhin steht die Tür zu den Jugendzimmern jetzt offen – offen für eine politische Auseinandersetzung.

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