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Folter in Russland : Bei der Erziehungsarbeit überzeugt nur ein Argument

Dieser Ausschnitt eines auf Youtube kursierenden Videos zeigt, wie Wärter im russischen Gefängnis Yaroslavl einen entkleideten, gefesselten Inhaftierten schlagen. Bild: AP

Ein Video, auf dem ein Häftling gefoltert wird, entsetzt ganz Russland. Menschenrechtler fordern, den Strafvollzug endlich wirksam zu regulieren – und auf diese Weise Willkür und Bestechlichkeit einzudämmen.

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          Dass in russischen Gefängnissen viele Unschuldige sitzen, und dass dort immer wieder Häftlinge gefoltert werden, gehört zur traurigen Normalität. Dazu haben zweifellos die turbulenten neunziger Jahre beigetragen, als der wilde Kapitalismus und die Bandenkämpfe die Gefängnispopulation anschwellen ließen und Einsatzleute und Fahnder die Methoden der Kriminellen nachahmten. Jedenfalls sollen, Erinnerungen von Dissidenten zufolge, in Gefängnissen der späten Sowjetunion Misshandlungen von Häftlingen zwar vorgekommen, aber als „Exzess“ angesehen worden sein.

          Kerstin Holm

          Redakteurin im Feuilleton.

          Doch im Putin-Staat gilt zwar die Antifolterkonvention der Vereinten Nationen, zugleich hat der Systemschutz durch die Gewaltorgane höchste Priorität, weshalb die Ausgaben für sie stetig steigen und weiter steigen sollen. Ordnungshüter gehen mit vierzig in Rente und sind bezeichnenderweise von der geplanten Anhebung des Rentenalters nicht betroffen. Dass ihnen für Kriminalfälle, die durch ein Geständnis gelöst wurden, Boni winken, die viele sich mit primitiven Mitteln verdienen möchten, macht die Lage nicht besser.

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