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Lockrufe englischer Kirchen : Zum Yoga in die Kathedrale

  • -Aktualisiert am

Vor oder nach der Kirche auf den Golfplatz? Bild: Picture-Alliance

Um dem Messebesuch mehr Anlass zu geben, installieren Kathedralen Minigolfplätze und bieten Yoga an. Anglikanische Geistliche wundern sich über die Aufregung: Kirchen seien doch seit jeher Interaktionspunkte.

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          Der Erzbischof von Canterbury hat unlängst erklärt, er wolle, dass Menschen in Kathedralen Spaß hätten. „Wenn man in einer Kathedrale keinen Spaß haben kann, weiß man nicht, was Spaß ist.“ Die Kathedrale von Rochester, einst eine Pilgerstation auf dem Weg nach Canterbury, hat den Erzbischof beim Wort genommen und einen kostenlosen 9-Loch-Minigolfplatz im Kirchenschiff installiert.

          Hinter dem als „Fairway to Heaven“ bespotteten Parcours steht eine Stiftung, die sich um die Brücken in der Region des Medway kümmert, jenes Flusses, an dem Charles Dickens’ ehemalige Heimatstadt liegt. Die Stiftung will nach dem Motto „Lernen durch Spielen“ bei jungen Menschen das Interesse am Ingenieurswesen wecken. Aus diesem Grund bilden Modelle von Brücken aus der Gegend die Hindernisse des Minigolf-Parcours. Die Kirche sieht darin die Chance, das Brückenbauen im übertragenen Sinne zu fördern. Sie hofft, dass Besucher beim „Abenteuer-Golf über die Brücken in ihrem eigenen Leben und in unserer Welt nachdenken“.

          Kühn und frisch

          Rochester ist nicht die einzige Kathedrale, die Besucher mit nichtreligiösen Aktivitäten zu locken sucht. In Norwich soll eine spiralförmige Rutsche die Gelegenheit bieten, die Kathedrale „auf eine ganz und gar neue Weise zu erleben, und Gespräche über den Glauben anstoßen“. In Peterborough werden kreative Yoga-Veranstaltungen unter einer sieben Meter hohen Skulptur der Erde abgehalten, die gerade eine Tournee durch britische Kathedralen durchläuft.

          In der Werbung steht, dass die uralten Traditionen des Yoga genutzt werden, um unter dem sich drehenden Globus die Verbundenheit zur Natur spürbar zu machen. Anglikanische Geistliche rechtfertigen diese Aktionen damit, dass Kirchenschiffe schon immer Treff- und Interaktionspunkte gewesen seien. Andrew Dorber, Pfarrer und Vorsitzender des englischen Kathedralenverbandes, äußerte die Hoffnung, dass diese Plätze in Zukunft auf „kühne, frische und aufregende Weise“ genutzt würden, um zu zeigen, dass Kathedralen ein Treffpunkt für alle seien. Um Spaß zu haben, sozusagen.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

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