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Yellow-Press : Realitätsschock für die Märchenblätter

„Keine Tragödie um Victoria! Nicht verraten, verlassen, verzweifelt”

„Keine Tragödie um Victoria! Nicht verraten, verlassen, verzweifelt” Bild: SCANPIX SWEDEN

Durch immer mehr erfolgreiche Klagen ist die heile Welt der Regenbogenhefte gefährdet. Sie sollen ihre blühende Phantasie bändigen müssen.

          6 Min.

          Tragödie um die deutschen Frauenzeitschriften: Die Blätter sind in schrecklicher Gefahr. "Die Stimmung ist verzweifelt", sind sich Insider sicher. Ein enger Freund eines Chefredakteurs meint: "Er ist am Ende, weiß nicht, wie es weitergehen soll." Der Mann, der einst so elanvoll seinem Tagwerk nachging, ist unter der seelischen Last zerbrochen. Schlimme Gerüchte besagen, daß kein Yellow-Press-Heft dieses Jahr überleben wird.

          Jörg Thomann
          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nicht auszuschließen, daß uns im obigen Absatz eine Fehldeutung unterlaufen ist; falls dem so ist, wollen wir uns dafür entschuldigen. Wie aber soll man eine Situation richtig einschätzen, wenn, wie es anfänglich schien, kaum jemand offen darüber sprechen möchte? Wenn ein Chefredakteur am Telefon mitteilt, in der aktuellen Lage nichts sagen zu wollen, wenn mehrere andere, denen man die Nummer hinterlassen hat, nicht zurückrufen? Gut, daß letztlich doch ein paar Leute mit sich reden ließen, sonst hätten wir, wie es die Frauenblätter selbst wohl schwer lassen können, drauflosfabulieren müssen. Artikel zu verfassen, ohne mit den entscheidenden oder überhaupt mit irgendeiner Person gesprochen zu haben, ist ein mißliches Unterfangen, die Regenbogenblätter aber haben daraus eine eigene Kunstform gemacht. Es hat ihnen freilich großen Ärger eingebracht.

          Ein besonders liebevolles Verhältnis

          So sah sich kürzlich Kai Winckler, der Chefredakteur des "Neuen Blatts", veranlaßt, sich bei seinen Lesern, die in erster Linie Leserinnen sind, für einen "unerfreulichen Lesestoff" zu entschuldigen, dessen Botschaft eigentlich höchst erfreulich war: "Keine Tragödie um Victoria! Nicht verraten, verlassen, verzweifelt. Keine Krebserkrankung", teilte das Heft auf seiner Titelseite mit. Unerfreulich war, daß "Das neue Blatt" das Gegenteil behauptet hatte. Man habe sich "leider immer wieder auf Fehlinformationen" über das schwedische Königshaus verlassen, schreibt der Chefredakteur. Im Widerruf heißt es: Sollte durch die Artikel der Eindruck entstanden sein, die schwedische Thronfolgerin sei an Krebs erkrankt, so sei "dieser falsch. Entsprechend gibt es auch keine Tragödie um die Kronprinzessin, wie diese uns jetzt mitgeteilt hat."

          Auch das trifft die Sache nicht ganz. Keineswegs nämlich hat sich beim "Neuen Blatt" die Prinzessin persönlich gemeldet, um die frohe Botschaft zu überbringen, sondern ihr Anwalt Matthias Prinz. Der ist zum ärgsten Feind der deutschen Herzblätter geworden, seitdem er sie im Auftrag des schwedischen Königshauses mit Gerichtsverfahren überzieht. Vorläufiges Ergebnis: Auf etwa zwanzig Titelseiten der Yellow Press sind nach Angaben von Prinz bislang Gegendarstellungen, Widerrufe, Richtigstellungen und/oder Entschuldigungen erschienen, bei denen rund vierzig Geschichten korrigiert wurden. Solcherart dementiert wurden unter anderem eine Verlobung Victorias ("Neue Post"), eine Hochzeit ("Frau mit Herz"), Schwangerschaften der Kronprinzessin oder ihrer Schwester Madeleine ("Das Neue", "Echo der Frau", "Das neue Blatt", "Frau mit Herz"), eine Fehlgeburt Victorias ("Das Neue"), eine Ehekrise des Königspaars ("Das neue Blatt"). Frisch am Kiosk präsentieren sich gerade zwei Hefte mit Titel-Widerrufen: "Vida" sowie "7 Tage", wo gleich vier Geschichten um die vermeintlich große Liebe zwischen Madeleine und Prinz William korrigiert werden. Man bedaure dies sehr, schreibt die Redaktion, da man "gerade zum schwedischen Königshaus ein besonders liebevolles Verhältnis" pflege. Zudem mußten mehrere Blätter gestehen, daß Bilder, die die Königstöchter im Hochzeitskleid oder mit einem Baby im Arm zeigten, Fotomontagen waren. Weitere Fälle werde man "sukzessive abarbeiten", kündigt der Anwalt an: "Wir sind noch nicht fertig."

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