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CCC-Kongress : Wahlen fälschen leichtgemacht

Wahlmaschinen in Chicago, Illinois Bild: AFP

Wie wahrscheinlich ist es, dass die amerikanischen Wahlen manipuliert wurden? Und geht das überhaupt? Zwei Informatiker haben diese Frage untersucht.

          Nach dem überraschend deutlichen Wahlsieg von Donald Trump tauchte eine Frage immer wieder auf: Wie müsste man es anstellen, wenn man eine Wahl manipulieren wollte? Zumal im Vorfeld der Wahl bereits Cyberattacken gegen die Wählererfassung in Arizona und Illinois verzeichnet wurden.  Die beiden Informatik-Professoren J. Alex Halderman und Matthew Bernhard von der University of Michigan geben nun Antworten.

          Es gibt in den Vereinigten Staaten 52 verschiedene Modelle von Wahlautomaten. Welche verwendet werden, das entscheidet der Wahlkreis. Insgesamt gibt es 13.000 Wahlkreise, die Wahlzettel sind zum Teil sehr kompliziert und fragen seitenlang komplexe lokale Einzelentscheidungen ab. Papier-Wahlzettel werden mit optischen Scannern erfasst. Daneben gibt es die Wahlmaschinen, die mit Touchscreen bedient werden und die das Ergebnis direkt speichern. Allen Verfahren gemeinsam ist, dass die Maschinen eine Speicherkarte haben, auf denen ein Programm die Ergebnisse erfasst. Dieses Programm könnte, theoretisch zumindest, so manipuliert werden, dass ein Kandidat als Sieger ausgewiesen wird, egal wie viele Stimmen er tatsächlich erhält. Die Betriebssysteme für die Wahlmaschinen werden meist von örtlichen Softwaredienstleistern programmiert. 

          Wie also müsste man vorgehen? Am besten, so Halderman, sucht man sich einen Staat, in dem das Ergebnis voraussichtlich knapp ausfallen wird. Dort kann man bereits mit wenigen manipulierten Wahlmaschinen einen großen Unterschied erwirken. Dann müsste man das Softwareunternehmen finden, das für die Programmierung der Speicherkarten zuständig ist und die Karten mit einer Malware infizieren. Zwar gibt es in vielen Staaten Papierwahlzettel oder Papierausdrucke, diese werden jedoch meistens schnell in den Müll entsorgt. 

          Eine Manipulation ist also möglich. Und Angriffe fanden bereits statt. Wie also, fragt Halderman, kann es sein, dass dennoch keine Überprüfung stattfindet? Und was müsste man tun, um eine Überprüfung zu erwirken? Halderman publizierte seine Überlegungen, Medien griffen seine Theorie auf, und bald fand er eine Verbündete in der grünen Präsidentschaftskandidatin Jill Stein. Da jeder Kandidat eine Neuauszählung erwirken kann, wenn er nur für die Kosten aufkommt, initiierte Stein eine Crowdfunding-Kampagne, bei der bald fünf Millionen Dollar zusammenkamen – mehr als für ihre Kampagne. 

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          Allerdings sind die Gesetze für eine Neuauszählung ziemlich komplex und von Staat zu Staat unterschiedlich. Stein Und Halderman konzentrierten sich auf Wisconsin, Michigan und Pennsylvania, in denen Trump überraschend und sehr knapp mit nur ein paar Tausend Stimmen Vorsprung gewann. Trump setzte bald auch seine Anwälte in Bewegung, die eine Neuauszählung in vielen Wahlkreisen verhindern konnten. Auch das ist eine Erkenntnis aus dieser Aktion: Der Gewinner einer Wahl hat mehr Möglichkeiten, eine  Überprüfung zu verhindern, als der Unterlegene Möglichkeiten hat, eine Neuauszählung zu erwirken. 

          Insgesamt deutete nach der Handauszählung nichts auf eine Wahlmanipulation der amerikanischen Präsidentschaftswahlen hin. Zwar wichen einige Ergebnisse ab, und in Detroit tauchten plötzlich mehr Wahlzettel auf, als Wahlberechtigte registriert waren. In Pennsylvania ist es nahezu unmöglich, eine Überprüfung zu erwirken, und wer dort manipuliert, wird vermutlich nie entdeckt. Die Wahl zu manipulieren ist einfacher als gedacht, folgert Halderman. "Wir können zwar nachts noch schlafen, aber wir können eine Manipulation nie ganz ausschließen."

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