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Wowereit bleibt Kultursenator : Hauptstattkultur

  • -Aktualisiert am

Als Kultursenator geht Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit in eine zweite Amtszeit. Auch seine bessere kulturpolitische Hälfte sollte eine neue Chance bekommen.

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          Dass sich unter den Kopfbedeckungen von Amtsträgern gelegentlich nicht nur ein Gesicht, sondern ein Zwillingshaupt verbirgt, wissen wir seit Harry Potters Kampf mit dem Zauberlehrer Quirinus Quirrell. Dass der Trick aber auch im wirklichen Leben und ganz ohne Zauber funktioniert, hat die Berliner Kulturpolitik in den vergangenen fünf Jahren bewiesen - und weil das so gut geklappt hat, soll es jetzt noch ein ganzes Jahrfünft lang so weitergehen.

          Ihm kann einiges zugetraut werden

          Denn wer war seit 2006 in Personalunion Kultursenator und Regierender Bürgermeister von Berlin? Klaus Wowereit! Und wer war bei fast keiner Ausstellungs- und Museumseröffnung, Denkmalseinweihung, Theaterpremiere, Humboldt-Forums-Debatte in Person zu sehen? Eben! Stattdessen hat Wowereits Kulturstaatssekretär André Schmitz das kulturpolitische Interesse Berlins in der Öffentlichkeit vertreten, und das war, um einmal den zuständigen Senator zu zitieren, auch gut so.

          Denn Schmitz hat nicht nur die im Theater- und Opernbereich anstehenden Personalfragen mit diskreter Effizienz gelöst, er hat es auch geschafft, in der heillos zersplitterten Kultur- und Medienszene der Hauptstadt mit nahezu jedem ins Gespräch zu kommen. Wenn der Seidenschalträger Schmitz verkündet, sich in Zukunft stärker um die kulturelle Bildung an Problemschulen und die freie Kunstszene kümmern zu wollen, dann glaubt man ihm, obwohl er selbst wie die personifizierte Hochkultur aussieht, und sogar die Lösung des vertrackten Standortproblems bei Suhrkamp traut man dem smarten Ex-Hanseaten zu.

          Er ist der richtige Mann für die Berliner Kulturpolitik

          Deshalb müsste es schon mit dem Teufel zugehen, wenn nach Wowereits Ankündigung an diesem Mittwoch, als Kopf der neu gebildeten großen Koalition in Berlin das Kulturressort abermals unter seine Fittiche nehmen zu wollen, nicht auch seine bessere kulturpolitische Hälfte eine neue Chance bekäme. In einer zweiten Amtszeit könnte André Schmitz nicht nur die blamablen Kürzungen zurücknehmen, mit denen sein Dienstherr zuletzt die konservatorische Erschließung der Ausgrabungen in der historischen Mitte Berlins blockiert hat, sondern auch sein großes Prestigeprojekt verwirklichen, den Neubau der Zentral- und Landesbibliothek in Tempelhof.

          Der Umzug der Bücher wiederum hätte Folgen für die Gestaltung des Humboldt-Forums, er könnte dem stockenden Projekt neuen programmatischen Schwung geben. Schmitz weiß das. Deshalb ist er für die Berliner Kulturpolitik der richtige Mann.

          Andreas Kilb
          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

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