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World Trade Center : Libeskind verklagt Bauherrn

  • Aktualisiert am

So will es der Meister: Daniel Libeskind mit seinem Entwurf Bild: dpa

Daniel Libeskind fordert vom Bauherrn des neuen World Trade Center in New York das Honorar für seinen „Masterplan“. Ein Zeichen der Frustration des Stararchitekten, dessen Pläne stark beschnitten wurden?

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          Nur eine Woche nach der Grundsteinlegung auf Ground Zero ist es zum Ausbruch des seit langem schwelenden Streits zwischen dem Stararchitekten Daniel Libeskind und dem Bauherrn Larry Silverstein gekommen.

          Libeskind reichte bei einem Landesgericht von New York Klage gegen Silverstein ein. Offiziell geht es um das Honorar von umgerechnet 682.015 Euro, das Libeskind für seinen „Masterplan“ in Rechnung stellt. Silverstein weigert sich, die Summe ohne einen Nachweis der gearbeiteten Stunden zu zahlen. Für Beobachter aber ist die Klage Ausdruck von Libeskinds wachsender Frustration über die Beschneidung seines Entwurfs und seiner Rolle beim Wiederaufbau auf Ground Zero.

          „Triumph des Kommerz über seinen Plan“

          Im Prinzip lehne sich Libeskind gegen den „Triumph des Kommerz über seinen Plan“ auf, stellte die „New York Times“ am Mittwoch fest. In der Klageschrift von Libeskind und seiner Frau sowie einer Assistentin heißt es: „Silverstein gibt zwar vor, den Masterplan zu unterstützen. In der Tat aber torpediert er das Projekt immer dann, wenn er einen Konflikt mit seinen eigenen finanziellen Interessen zu sehen meint“.

          Libeskinds futuristisches und symbolträchtiges Design für Ground Zero war als Sieger aus der Ausschreibung für das Modell des neuen World Trade Centers hervorgegangen. Doch innerhalb von Monaten bootete Silverstein den weltbekannten Architekten aus und übertrug die Bauleitung an einen Mann seiner Wahl, David Childs aus New York. Zur Begründung führte er an, daß Childs mehr Erfahrung im Bau von Wolkenkratzern habe.

          Wer bezahlt Daniel Libeskind?

          Offiziell einigten sich Libeskind und Childs vor einem Jahr auf einen Kompromiß-Entwurf für das WTC-Kernstück, den Freiheitsturm. Doch in Interviews gab Libeskind bald zu erkennen, daß er sich mit dem neuen Plan nicht mehr identifizieren könne. Derweil stritt sich Silverstein vor Gericht mit den Versicherungsgesellschaften der zerstörten WTC-Zwillingstürme und unterlag am Ende mit seiner Forderung, daß der zweifache Terroranschlag vom 11. September 2001 auch die doppelte Entschädigung rechtfertige.

          Libeskind wartete nach Angaben seiner Frau den Ausgang des Versicherungsstreits ab und „erhielt (bisher) noch keinen Pfennig für seine Arbeit“ am Freedom Tower. Dagegen erklärt der Anwalt von Silverstein, Howard Rubenstein, daß Libeskind „bereits viele Millionen Dollar“ aus anderen Kassen erhalten habe, darunter von der New Yorker Verkehrsbehörde Port Authority. Ihr gehört der Grund und Boden, auf dem das alte World Trade Center einmal über New York hinausragte. Allerdings hatte die Behörde den WTC-Komplex wenige Monate vor seiner Zerstörung am 11. September 2001 an Silverstein auf eine Zeit von 99 Jahren verpachtet.

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