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Folgen des Klimawandels : Jetzt wird es bierernst

Das passt eigentlich ganz gut: Ein Bier in der Abendsonne. Bild: dpa

Vor den Folgen des Klimawandels wird seit langem gewarnt. Doch jetzt kommt eine Nachricht, bei der viele wirklich aufmerken: Das Bier wird knapp, es wird auf jeden Fall viel teurer. Da lässt sich nichts schöntrinken.

          Absaufende Inseln? Verwüstende Steppen? Schmelzender Permafrost? Alles schon irgendwie schlimm, aber so richtig erschrocken reagiert der Deutsche wohl nur auf den Klimawandel, wenn er sein Auto bedroht – oder sein Bier.

          Kein Wunder, dass ein Artikel bei Twitter und Facebook durch die Decke ging, in dem die lieben Kollegen von der „Bild“-Zeitung einen Forscher von der University of California in Irvine zitieren, der wahrhaft Apokalyptisches vorhersagt. Wenn die Durchschnittstemperaturen, sagt der Studienleiter Steven Davis, global immer weiter nach oben kletterten, werde das zwangsläufig Auswirkungen auf den Preis von Gerste haben.

          Und dann – da hilft auch das Stoßgebet „Gerste und Malz, Gott erhalt’s“ nicht mehr – würden sich die „Bierpreise weltweit im Schnitt etwa verdoppeln“. Weil je nach Szenario die Erträge um drei bis siebzehn Prozent zurückgehen könnten. Den Bierkönigsnationen Deutschland und Tschechien drohten Einbußen bei der Verfügbarkeit von Gerste bis zu 38 Prozent.

          Und das, zeigt ein Blick ins Internet, treibt die Menschen wirklich um. Es lässt sich eben nur selig bei einem obergärigen Fastnachtsschlager wie „Es gibt kein Bier auf Hawaii“ mitschunkeln, wenn die Temperaturen in der Bundesrepublik auch noch die Liedzeile „drum bleib ich hier“ frisch halten. Wer sein Nettoeinkommen spaßeshalber gerne in Bierkästen umrechnet, sieht einer Inflation von fünfzig Prozent entgegen.

          Das kann man sich wirklich nicht mehr schöntrinken. Wenn das kein Grund ist, endlich entschlossen für den Klimaschutz einzutreten! Fraglich nur, ob die Deutschen so leicht auf die Umweltschutzbarrikaden zu treiben sind. Denn die Flucht vor dem Problem in den Alkohol ist immer noch möglich. Dreißig Prozent mehr als im Vorjahr, fast zehn Millionen Hektoliter Wein, bescherte nämlich der Rekordsommer 2018 hiesigen Winzern. Na dann Prost.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

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