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Wolkenkratzer für Superreiche : Ganz oben wohnt das Geld allein

  • -Aktualisiert am

Der französische Stararchitekt Christian de Portzamparc hat das „One57“ gebaut - es soll an einem Wasserfall erinnern Bild: Reuters

Man kann nie zu reich oder zu dünn sein, heißt es. In New York gilt das mittlerweile auch für Häuser. In Manhattan entstehen reihenweise Wolkenkratzer für Milliardäre. Keineswegs jedoch, weil diese Menschen dringend Wohnungen brauchten.

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          „Die Möbel“, sagt Jeannie Woodbrey vom Verkaufsteam des One 57, „sind natürlich nur zur Illustration. Die Käufer können sich dann eine bessere Vorstellung machen, wie es ist, hier zu leben.“ Das Sofa für zwei Fußballmanschaften, der Konzertflügel, der gedeckte Tisch und die abstrakten Gemälde werden also nach dem Verkauf wieder rausgeworfen. Doch es interessiert sich eh niemand für Möbel bei dieser Wohnungsbesichtigung, nur für Fenster.

          Die reichen bis zum Boden und nehmen weite Teile der Wand ein, unten kann man sie ein Stückchen aufklappen. Was man dahinter sieht, verschlägt einem die Sprache. Der Central Park liegt wie ein ausgerollter Teppich in Braun und Grün vor einem, darüber ein weiter Himmel. Das ganze nördliche Manhattan sieht man von hier, den Hudson River und die Ränder der Stadt. Im 58. Stock ist man dem Himmel ebenso nah wie den Menschen.

          Oder näher. Feingemeißelt und zierlich liegen die Steinhäuser der Upper East Side an der Längsseite des Parks; man sieht sie auch vom Master Bedroom, dem größten der drei Schlafzimmer. Von anderen Zimmern sieht man nach Midtown, von der Küche nach Süden, zum Empire State Building und dahinter, in zarten Dunst gehüllt, die grauen Türme von Downtown, wo kürzlich das One World Trade Center fertig geworden ist. Die Stadt sieht von dieser Höhe aus wie ein Computerspiel, in dem man als gottgleicher Herrscher eine Zivilisation aufbaut, um sie bei nachlassendem Interesse und mit keksfettigen Fingern in Schutt und Asche zu legen.

          Nicht-New- Yorker müssen sich wahrscheinlich erst daran gewöhnen, vor Panoramafensterscheiben zu duschen oder die Toilette zu benutzen, aber, hey, wer soll einen hier oben schon erkennen? Und überhaupt, sagt Woodbrey mit Blick auf die Nachbarhäuser, „wenn die Sie hier sehen können, dann haben Sie es sich verdient.“ Siebenundzwanzig Millionen Dollar kostet das Apartment mit drei Schlafzimmern.

          Wie ein in Schanghai ausgedachtes Stück New York

          Das Penthouse können wir heute leider nicht besichtigen; es ist bereits verkauft, für mehr als 90 Millionen Dollar an ein Investoren-Konsortium. Achtzig Prozent der Wohnungen seien verkauft, sagt Woodbrey, doch nur fünf würden zurzeit bewohnt. Über die Käufer will sie nichts sagen, sie kann es wohl auch kaum, denn die meisten Wohnungen werden über Makler an Firmen verkauft, die die Identität der Käufer verschleiern. Das große Geld ist scheu. Dafür kommt es von überall.

          Das One 57 ist deshalb zwar der erste der neuen, superhohen Wohntürme in Midtown Manhattan, aber bei weitem nicht der letzte. Acht vergleichbare Projekte sind um die 57. Straße geplant oder im Bau. Sie prägen die Skyline Manhattans im 21. Jahrhundert - und sind ein Symbol für das neue New York, in dem die Mittelschicht nur noch wenig zu sagen hat und die Unterschicht sowieso nichts. Die sozialistischer Umtriebe eher unverdächtigen US-Magazine „Fortune“ und „Vanity Fair“ brachten bereits große Geschichten über die Wohntürme und die soziale Ungleichheit in den Vereinigten Staaten, die sich nirgendwo leichter ablesen lasse als in der 57. Straße, der „Billionaire’s Row“.

          Hier war es immer schon fein, die Carnegie Hall, das MoMA und die Fifth Avenue liegen um die Ecke. Aber dass so hoch, so teuer und so viel gebaut wird, ist neu. Auch an anderen Adressen in New York werden Wohntürme gebaut oder geplant, doch die Konzentration aufsehenerregender Architektur am unteren Ende des Central Park ist beispiellos. Und hat gerade erst begonnen.

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