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Wolfgang Petersen : Was macht so Spaß am Filmemachen?

  • -Aktualisiert am

Als Nastasja Kinski im „Reifezeugnis“ zum ersten Mal auf der Leinwand auftauchte, entstand eine solche Totenstille im Zuschauerraum, dass alle sofort wussten: Hier ist ein Star geboren. Für seltene Momente wie diese lebt ein Regisseur.

          Als ich zwölf war, stand ich an Weihnachten vor meinen Eltern und sagte: „Ich will Filmregisseur werden.“ Und da gab's natürlich merkwürdige Gesichter. Die Lust, diese Besessenheit - das haben meine Eltern gar nicht gemerkt - hatte sich in den Jahren davor gebildet, als ich dauernd im Kino war und mich total in diese wunderschönen Geschichten verloren habe.

          Diese Magie des dunklen Raums war für mich ein unvergessenes Erlebnis, so dass ich sagen musste: Ich will das jetzt auch machen. Also Lust und Besessenheit. Was macht so Spaß am Filmemachen? Neben dem Schnitt und der Musik sind das die Schauspieler. Fast noch stärker als in der Arbeit mit Hollywood-Stars war das für mich in der Arbeit mit Unbekannten in Deutschland, zum Beispiel Nastassja Kinski. Ich glaube, in Wims Film, wo sie mir aufgefallen ist, war sie zwölf Jahre alt und hatte eine stumme Rolle. Bei mir war sie dann fünfzehn, und es war einfach unglaublich zu sehen, als wir dann in Malente den Film „Reifezeugnis“ drehten und ungefähr dreißig, vierzig Leute immer bei den Mustern saßen.

          Ja, jetzt haben wir es geschafft

          Und als sie zum ersten Mal auf der Leinwand auftauchte, war eine solche Totenstille, dass wir alle sofort wussten: Hier ist ein Star geboren, das ist etwas, was es sehr selten gibt und was einem wiederum eine solche Befriedigung gibt, eine solche Lust an diesem Beruf.

          Beim „Boot“ sind wir damals mit Hilfe von Willi Schlenter, der dieser tolle Besetzungschef bei der Bavaria war, quer durch ganz Deutschland gefahren und haben alle möglichen völlig unbekannten Schauspieler von den Theatern aufgesucht, um unbekannte Gesichter, frische Gesichter für den Film zu kriegen. Und ich glaube, das hat dem Film nachher so gutgetan, weil es so echt wirkte und weil es Film war. Sich total auf die Schauspieler einzulassen und sie so gut werden zu lassen, wie es nur irgend geht, ist für mich eine große Lust beim Filmemachen. Für Frust ist die Hauptquelle, dass man sagt: Ach, ich weiß nicht, ob ich das Metier noch weitermachen soll. In wie vielen Nächten sagt man: Die Dämonen kommen. Das wird nie zusammengehen, das funktioniert nicht, die Leute werden es nicht glauben, das ist viel zu langweilig. Es ist eine ganz schwierige Kiste, mal zu dem Punkt zu kommen, wo man sagt: Ja, jetzt haben wir es geschafft.

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