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Wohnen wie Thomas Mann : Das putzt ganz ungemein

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Gehobenes Bauhaus: Thomas Manns Residenz in Pacific Palisades Bild: Joyce Rey

Ein denkwürdiger Platz ist frei. Wer möchte, kann Thomas Manns Haus am San Remo Drive im Westen von Los Angeles beziehen, allerdings nur zur Miete.

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          Der Mann war ja närrisch vor Eitelkeit.“ So erinnerte sich die greise Katia Mann an Theodor W. Adorno. Schon der Gang des Philosophen, als dieser zum ersten Mal die Einfahrt vom San Remo Drive 1150 hinaufkam, um Thomas Mann zu besuchen, habe ihr das verraten. Ob Adorno bei einem seiner Besuche in den sieben Palmen und der übrigen üppigen Vegetation des Gartens die fruchtbare Nillandschaft wiedererkannte, die Thomas Mann im vierten, in Pacific Palisades verfassten Band seiner Josephstetralogie schildert, ist nicht überliefert. Wohl aber, dass Mann sein Haus ideal für die Vollendung des Werks nannte.

          Dieses Haus, das der Schriftsteller sich 1942 von dem Architekten Julius Ralph Davidson hatte bauen lassen, steht momentan zur Vermietung. Die Nachfahren der Familie Lappen, die es den Manns abgekauft hatten, als diese nach Europa zurückkehrten, rechnen mit 15.000 Dollar Monatsmiete; verkaufen wollen sie nicht. Dass sie einen Erinnerungsort deutscher Kultur und Geistesgeschichte besitzen, war ihnen nicht nur durch die Bronzetafel mit dem Profil des Dichters bewusst, die an einem Ziegelpfeiler der Einfahrt in englischer und deutscher Sprache auf Thomas Manns Exil hinweist. Trotzdem sind sie überrascht vom Interesse der Deutschen und von der Idee, aus dem Anwesen eine amerikanisch-deutsche Gedenk- und Begegnungsstätte zu machen.

          Eine Atmosphäre von gediegener Leichtigkeit

          Denkwürdig ist das Haus in vielerlei Hinsicht, auch in architektonischer. Denn als unstrenge Variante des Bauhaus-Stils steht es quer zu allem, was man über Thomas Manns dem neunzehnten Jahrhundert verhaftete Vorlieben in Dingen der Kunst und Architektur zu wissen meint. Obwohl - ganz verabschiedete sich der Dichter nicht vom feierlichen Monumentalismus seiner berühmten Münchner Jahrhundertwendevilla: Thomas Manns aus einer jüdischen Berliner Familie stammender Architekt hatte sein Handwerk bei der Ausstattung von Luxusschiffen gelernt. 1923 nach Los Angeles übersiedelt, arbeitete er als Filmarchitekt für Cecil B. De Mille, der bekannt war für seinen Hang zu pompösem Design. Für die Manns arbeitete Davidson gemeinsam mit dem Innenarchitekten Paul Huldschinsky. Dieser, 1939 aus Berlin emigriert, stattete Villen in Los Angeles aus, fiel so Theater- und Filmproduzenten auf, arbeitete schließlich überwiegend in diesem Bereich und erhielt 1945 einen Oscar für die Ausstattung von George Cukors Film „Das Haus der Lady Alquist“.

          Für die Mannsche Villa am San Remo Drive schufen Davidson und Huldschinsky Interieurs, die, ähnlich wie das legere Kuben-Arrangement der Architektur, gediegene Leichtigkeit ausstrahlten: Wandschränke, lichtdurchflutete Zimmer, zu deren Weiß das eher wuchtige Mobiliar der Familie eindrucksvoll kontrastierte, und, als leise, aber ernüchterte Münchner Reminiszenz, Stuckleisten herrschten vor. Atmosphärisches also, analog Theater und Film. Thomas Mann, der seiner Toni Buddenbrook beim Anblick eindruckvollen Kunsthandwerks ein naiv-stolzes „vornehm“ in den Mund legte, schwärmte von seinem Arbeitszimmer: „Die Bibliothek nimmt sich darin unvergleichlich besser aus als in Princeton.“

          Thomas Mann in „gehobenem Bauhaus“, der Nachbar Bertolt Brecht in einem Haus, das wie ein Zitat der Münchner Mann-Villa anmutet - auch das gehört zu den Kuriositäten dieses „Weimar am Pazifik“. Nicht nur, aber auch deswegen wäre es wunderbar, würde Thomas Manns Haus zur Begegnungsstätte.

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