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Wohin wollen wir wachsen? : Schluss mit der Nachhaltigkeitslüge!

  • -Aktualisiert am
Wir haben nur diesen einen Planeten, doch wir verbrauchen Ressourcen, als hätten wir ihn 2,7-fach
          6 Min.

          Nachhaltigkeit ist ein interessantes Wort. Obwohl sich seine Bedeutung auf den ersten Blick erschließt, wird kaum ein anderes Wort in der Politik so oft missbraucht. Nachhaltigkeit ist ein Modebegriff geworden – und wurde häufig genug in den vergangenen Jahren als „Unwort des Jahres“ vorgeschlagen. Dabei beschrieb Konrad Otto die Bedeutung 1999 so einfach: „Regenerierbare lebende Ressourcen dürfen nur in dem Maße genutzt werden, wie Bestände natürlich nachwachsen.“ Das ist nachhaltig.

          Politisch ist der Begriff dagegen ein Füllwort, eine hohle Phrase zur alleinigen Begründung eines Gesetzes, einer Maßnahme oder um die Verschwendungssucht eines anderen Vorschlages anzuprangern. Vergangene Woche diskutierte ich auf einem Wirtschaftsforum in Reutlingen unter anderem mit Volker Wissing, dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der FDP im Bundestag, und Meinhard Miegel über „Deutschland auf dem Weg in die Armut“. Einig waren wir uns, dass derzeit keine Gefahr einer tatsächlichen gesellschaftlichen Verarmung besteht. Einerseits geht die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auf und immer weniger Menschen können von ihrer Arbeit leben, andererseits aber ist unsere Gesellschaft sehr wohlhabend.

          Rückzahlung ist Utopie

          An diesem Punkt nannte Miegel einen Aspekt, der später leider nicht mehr verfolgt wurde. Er wies nämlich darauf hin, dass wir derzeit ein Vielfaches der nachhaltig verfügbaren Ressourcen verbrauchen. Um unseren aktuellen Lebensstil beizubehalten, verbrauchen wir etwa das 2,7-fache dessen, was unser Planet hergibt. Leider steht uns aber nur eine Erde zur Verfügung. Schon allein das zeigt, dass unsere Verhaltensweise keine besonders nachhaltige sein kann.

          Das gleiche Problem sehen wir auch an der offiziellen Staatsverschuldung Deutschlands. Sie liegt bei etwas mehr als zwei Billionen Euro, plus oder minus ein paar Milliarden. Um die genaue Zahl angeben zu können, wächst sie zu schnell. Und das, obwohl bei dieser Statistik noch nicht einmal berücksichtigt wird, dass die Renten- und Pensionskassen leer sind. Rechnet man aus, welche „Nachhaltigkeitslücke“ (schon wieder dieses Wort!) besteht, welche Vorsorgen also gebildet werden müssten, um die entstehenden Kosten zu decken, so fehlen uns dort etwa fünf Billionen Euro.

          Meinhard Miegel gab sich verhalten optimistisch und meinte, dass es noch zwei bis drei Generationen gut gehen könnte. Volker Wissing sah gar kein Problem dabei; er verwies auf die Schuldenbremse, die weitere Staatsschulden verbieten würde. Eine solche Schuldenbremse hilft aber nicht bei der Rückzahlung der Schulden. Bereits jetzt müssen wir mehr und mehr Geld aufwenden, um die steigenden Ausgaben für die Zinsen und die Nachhaltigkeitslücke zu decken. Eine Rückzahlung und damit eine tatsächliche Lösung des Problem ist also utopisch.

          Diese Blase wird platzen

          Natürlich bemühte Wissing nun die Theorie des ständigen Wachstums. Bisher ging das Pyramidenspiel Staatshaushalt gut, da das nominelle Wirtschaftsprodukt jedes Jahr stark genug wuchs, um die steigenden Kosten zu decken. Kosten, die übrigens auch bei sinkenden Leistungen steigen. Dummerweise hat diese Theorie zwei Probleme. Zum einen ist ein nicht gerade kleiner Teil dieses Wachstums tatsächlich nur inflationsbedingt. Wir decken die Nachhaltigkeitslücke in der Pensionskasse also faktisch durch eine Entwertung dieser Pensionen. Zum Zweiten verbrauchen wir jetzt ja schon die Ressourcen von 2,7 Erden. Wenn wir hier unbegrenzt weiter wachsen wollen, wohin wollen wir dann wachsen? Der Mond bietet leider nur begrenzt viele nutzbare Ressourcen, zudem ist er bedeutend kleiner als die Erde.

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