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Europas Weihnachtsbaum-Contest : O Tannenbaum!

  • -Aktualisiert am

Erinnert ein wenig an einen Fernsehturm: Der Baum auf dem Weihnachtsmarkt in Vilnius. Bild: AP

Der Weihnachtsbaum ist auch nicht mehr, was er einmal war. Verstößt er gegen die ökologische Correctness? Soll eine Attrappe aus Plastik her? Wenigstens wissen wir, wo Europas angeblich schönster Christbaum steht.

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          Jetzt fallen sie wieder zu Millionen, die Nordmanntannen, Blaufichten, Douglasien und Kiefern, bereit, aufgestellt, geschmückt, bewundert und verflucht zu werden: In Sachen Weihnachtsbaum sind alle Experten, und die Ansprüche sind enorm. Gerade gewachsen, dicht beastet und frisch geschlagen sollte der ideale Christbaum sein, groß genug, um Eindruck zu schinden, klein genug, um ohne Fuchsschwanz ins Wohnzimmer zu passen. Ist der Stamm zu dick, gibt es Ärger mit dem Ständer. Der Baum darf nicht nadeln, nicht harzen und soll keine Krabbeltierchen entlassen, teuer darf er auch nicht sein.

          Was ist schon der Nervenkrieg mit herausfordernden Verwandten am Fest gegen die Dramen, die sich davor jedes Jahr um den Baum abspielen? Verhedderte Lichterketten, schief eingeklebte Zusatzäste, zerbrochene Kugeln, umgestoßene Wassereimer bei Verfechtern von Kerzen – oder in hohem Bogen aus dem Fenster fliegende brennende Bäume. Wir wissen, wovon wir hier reden.

          Wie gut, dass es noch ein paar Wochen dauert, in denen wir uns seelisch für den Nahkampf mit der Konifere wappnen können. Wer jetzt schon bereit ist, tut, was er nicht lassen kann: Der Trend geht zum Adventsbaum, zum Zweit- und Drittbaum im Garten oder Indoor-Arboretum statt Kranz. Dass drei Christbäume vor der Tür allerdings auch ziemlich ungut ankommen können bei den lieben Mitbürgern, weiß Angela Merkel. Für die Prachtexemplare vor dem Bundeskanzleramt hagelte es Kritik von Greta-Anhängern, die Bäume pflanzen statt fällen wollen.

          Erhabener Weihnachtszirkus: Der große Christbaum auf dem Platz vor der Kathedrale von Vilnius.

          Ist der Weihnachtsbaum noch zeitgemäß? Künstliche Tannen, von Duft aus Spraydosen umnebelt, machen aber Müll und sind stillos. Umweltbewusste kaufen Bäume mit Bio-Zertifikat oder schleppen Immergrün im Topf rein und raus, und die ersten Städte verzichten aus Klimaschutzgründen auf Schmuckbäume in den Straßen. Die monumentale Spessart-Fichte auf dem Frankfurter Römer, dreißig Meter hoch und achtzig Jahre alt, ficht das nicht an. Sie wurde nach ökologischen Kriterien gefällt, kurz bevor der Borkenkäfer und der nächste Hitzesommer es getan hätten. Schön ist sie trotzdem.

          Aber was gilt schon noch als schön? Der in Brüssel ansässigen Tourismus-Organisation European Best Destinations zufolge steht der attraktivste Weihnachtsbaum des Kontinents in Wilna – und besteht aus Metall. Die riesige mit Kugeln bestückte Gitter-Pyramide vor der Kathedrale fasst sechstausend Äste von Nadelbäumen, die bei Forstarbeiten liegengeblieben sind. Total nachhaltig. Aber romantisch ist es nicht gerade, wenn sich eine Grünschnitt-Gabbione als Weihnachtsbaum verkleidet. Und deshalb schließen wir jetzt am besten alle die Augen und summen leise: O Tannenbaum.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

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