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WM-Kolumne „Nachgetreten“ : Vive la France

Torjubel: Olivier Giroud und Antoine Griezmann beim Spiel gegen Argentinien Bild: Reuters

Der gestelzte, sich nach allen Seiten absichernde Ton, den die deutschen Spieler bei dieser WM angeschlagen haben, zeigt an, wie mutlos ihr Fußball ist. Bei den Franzosen sieht es ganz anders aus.

          Antoine Griezmann, der französische Stürmer, brüllt „Vive la France“ in ein Mikrofon, das gerade Mbappé, einem anderen französischen Stürmer, zum Interview hingehalten wird. „Komm, machen wir ein paar schöne Sachen“, beschreibt Mbappé darin, was vor dem Spiel gegen Argentinien in der Mannschaft gesagt wurde. Es war das bislang schönste Spiel der WM. Natürlich hat man es als sein Sieger dann leicht, solche Sätze zu liefern. Aber das erklärt noch nicht, dass sie gesagt wurden.

          „Es lebe Deutschland“ würde nämlich bei uns kein Spieler sagen. Geschweige denn brüllen. Geschweige denn in ein Interview hinein. Oder allenfalls nach vorheriger Abstimmung mit Oliver Bierhoff und der Reinhard-Grindel-Wertekommission des DFB. Was auch daran liegt, dass wir eine Medienpolizei haben, die bei „Vive l’Allemagne“ sofort alarmiert wäre und Sonntagskolumnen darüber absetzen würde, dass sich hier etwas sehr Ungutes meldet.

          Aber auch ein paar schöne Sachen machen – kann man sich das als Satz von Kroos, Özil, Löw vorstellen? Allenfalls einst als einen Satz von Thomas Müller, aber der hat schon lange keine schönen Sachen mehr gemacht. Der gestelzte, sich nach allen Seiten absichernde Ton, den die Mitteilungen der Deutschen hatten, zeigt an, wie mutlos ihr Fußball ist.

          Das Spiel der Franzosen, das auf Messers Schneide stand, weil sie zwischendurch schon sehr sorglos in der Abwehr waren, war eine Demonstration des Selbstvertrauens. Demonstriert wurde die Fähigkeit des Kopfes, die sich am Anspruch bemisst, durch die Wand gehen zu wollen. „Ihr werdet mich foulen müssen“, sagte jede Bewegung von Mbappé, und sie, die notorisch überhart spielenden Argentinier, mussten es. Das war Fußball: die Bereitschaft zu spielen und nicht daran zu denken, was einem eingeimpft worden war und dass man Weltmeister ist und dass man „die“ Mannschaft ist etc. Es war Freiheit, deren Gebrauch schiefgehen kann, der aber hier belohnt wurde. Vive la liberté.

          Fussball-WM 2018

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