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: Zur Arbeit gehört Würde

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Der Erfolg, der Erzbischof Reinhard Marx mit seinem Buch "Das Kapital" geglückt ist, ist der Mitarbeit des Freiburger Sozialethikers Arnd Küppers geschuldet, dem Marx zu Beginn seines Bestsellers dankt. Nun wird man kaum erwarten, dass die mehr als 500 Seiten starke Dissertation von Küppers einen ähnlichen Erfolg haben wird.

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          Der Erfolg, der Erzbischof Reinhard Marx mit seinem Buch "Das Kapital" geglückt ist, ist der Mitarbeit des Freiburger Sozialethikers Arnd Küppers geschuldet, dem Marx zu Beginn seines Bestsellers dankt. Nun wird man kaum erwarten, dass die mehr als 500 Seiten starke Dissertation von Küppers einen ähnlichen Erfolg haben wird. Trotzdem ist die Lektüre dieser Schrift lohnend, auch wenn manche theoretischen Verästelungen und Referate dem Charakter einer Promotionsschrift geschuldet sind.

          Denn: Ihren Wert hat die Analyse, die Küppers zum Thema Arbeitsgesellschaft und Tarifautonomie entfaltet, weil dem Leser von einem Theologen das geboten wird, was man in der aktuellen wirtschaftwissenschaftlichen Literatur häufig vergeblich sucht: die Behandlung einer konkreten ökonomischen Fragestellung vor dem Hintergrund einer umfassenden historischen und systematischen Auseinandersetzung.

          Ähnlich wie Reinhard Marx beginnt auch Küppers mit Reminiszenzen an Karl Marx. In Abgrenzung zum Verständnis von Arbeit als "Selbsterzeugungsakt des Menschen" eröffnet Küppers eine sozialethische Perspektive, die Arbeit und Selbstverwirklichung des Menschen miteinander verknüpft, bei der Arbeit aber immer mit Blick auf die Würde des Menschen, verwurzelt in einer christlichen Anthropologie, ihren eigentlichen Stellenwert erhält. Man mag diese explizit theologische Interpretation teilen oder nicht, sie verdeutlicht die Notwendigkeit, sich über die Bedeutung von Arbeit in der Moderne nicht nur in wirtschaftlicher, sondern auch in gesellschaftlicher gleichwie in individueller Perspektive Gedanken zu machen. Dies wird auch daran deutlich, dass Küppers die Folgen von Arbeitslosigkeit auch auf ihre psycho-sozialen Dimensionen hin untersucht. Hierin liegt sein wichtiges Argument für den Erhalt der Tarifautonomie, da sie über die Jahrzehnte für Stabilität und sozialen Frieden im Gesamtkonzept der Sozialen Marktwirtschaft gesorgt hat. Freilich ist auch Küppers bewusst, dass eine Reform unerlässlich ist: Er plädiert für Öffnungsklauseln, Korridor- und Optionsmodelle, ohne die Substanz der Tarifautonomie aufzugeben.

          NILS GOLDSCHMIDT

          Universität der Bundeswehr München und Walter Eucken Institut, Freiburg

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