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Rezension: Sachbuch : Zwei französische Erfolgsgeschichten

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Die Vita des Hotelkonzerns Accor und des Club Méditerranée

          Virginie Luc: Impossible n'est pas français. L'histoire inconnue d'Accor, leader mondial de l'hôtellerie. Editions Albin Michel, Paris 1998, 300 Seiten, 120 Franc.

          Gilbert et Serge Trigano: La saga du Club. Editions Bernard Grasset. Paris 1998, 352 Seiten, 130 Franc.

          Frankreich ist nicht nur das Land der Manager, die aus den staatlichen Eliteschulen hervorgehen, sondern auch das Land talentierter und erfolgreicher Unternehmer, die aus dem Stand heraus Konzerne von Weltformat gezimmert haben. Die von der Journalistin Virginie Luc beschriebene Geschichte des Hotelkonzerns Accor ist gleichzeitig die Geschichte des vielleicht ungewöhnlichsten Unternehmerduos der Nachkriegszeit. Die Konzernschmiede Paul Dubrule und Gerard Pélisson einen der Unternehmergeist und prägende Jugendjahre in den Vereinigten Staaten. Ansonsten unterscheiden sich die beiden Männer in fast jeder Hinsicht. Der hochgewachsene, bedächtige Nordfranzose Dubrule hat in seiner Jugend mehrfach die Abiturprüfung verpatzt und bewahrt sich vielleicht deshalb bis heute ein gesundes Mißtrauen gegenüber den Absolventen angesehener Hochschulen. Er ist der Mann der betrieblichen Praxis, der an Wochenenden mit dem Michelin-Reiseführer in der Tasche durch Frankreich fährt, um geeignete Liegenschaften für neue Hotels zu suchen. Der kleinwüchsige und rundliche Tausendsassa Pélisson, der aus Lyon stammt, übernimmt derweil die Rolle des Strategen, der eine vielversprechende Karriere bei IBM aufgegeben hat, um für Dubrule langfristig angelegte Kosten- und Erlösrechnungen zu entwerfen.

          Lucs Buch ist in enger Abstimmung mit den beiden Männern entstanden. Die Journalistin beschreibt auf lebendige Weise den langen Weg von der Eröffnung des ersten Hotels in den sechziger Jahren bis zum weltumspannenden Großkonzern, der mit seinen Marken Novotel, Ibis, Etap, Formule 1 und Motel 6 fast 150 000 Menschen beschäftigt. Die Autorin verschweigt weder die strategischen Irrungen und Wirrungen der frühen Jahre noch das komplizierte Verhältnis der beiden Unternehmer, die sich abwechselnd motivieren und zerstreiten. In den achtziger Jahren ist die Beziehung zwischen Dubrule und Pélisson zeitweise so schlecht, daß sie einen geschulten Psychologen einstellen, der die beiden Männer wieder miteinander versöhnt. Leider wird in dem ebenso flüssig wie detailreich geschriebenen Buch die Krise zu Anfang der neunziger Jahre nur oberflächlich beschrieben. Damals haben die wichtigsten institutionellen Aktionäre (Dubrule und Pélisson halten nur kleine Anteile an Accor) angesichts einer hohen Verschuldung und strategisch fragwürdiger Entscheidungen ihr Vertrauen in die Unternehmensgründer verloren. Dubrule und Pélisson ziehen sich daraufhin als Vorsitzende des Aufsichtsrats zurück, während der Finanzfachmann Jean-Marc Espalioux den Vorstandsvorsitz übernimmt und das Unternehmen innerhalb kurzer Zeit saniert und neu ausrichtet. Luc stellt den Stabwechsel als eine souveräne Entscheidung durch Dubrule und Pélisson dar. In Paris ist aber auch zu hören, daß die wichtigsten Aktionäre den Wandel erzwungen hätten.

          Wie die unerbittliche Brutalität der Kostenrechnung den ingeniösen Unternehmer einholt und schließlich überwindet, beschreiben auf ungeschminkte Weise Gilbert und Serge Trigano in ihrem faszinierenden, wenn auch bewußt parteiischen Buch über die Geschichte des Club Méditerranée (Club Méd). Das Feriendorf für jedermann mit organisierter Unterhaltung ist eine der zündenden Ideen der frühen Nachkriegszeit, für die der in Paris ansässige jüdische Kleinhändler Gilbert Trigano und der abenteuerlustige belgische Diamantenschleifer Gérard Blitz verantwortlich zeichnen. Blitz zieht sich nach einiger Zeit in die Südsee zurück und überläßt den Aufbau des Club Méd zu einem Unternehmen von Weltformat seinem Partner Trigano. Die Erfolgsgeschichte findet Mitte der neunziger Jahre ein dramatisches Ende, als der Club in eine nachhaltige Rentabilitätskrise gerät und seine führenden Aktionäre, neben der italienischen Familie Agnelli handelt es sich um die französische Bank Caisse des Dépôts, eine an modernen Management- und Rentabilitätskriterien ausgerichtete Unternehmenspolitik fordern. Gilbert Trigano tritt daraufhin die Präsidentschaft des Club Méd an seinen Sohn Serge ab, der sich zwar als ein netter Kerl, aber als ein überforderter Unternehmenslenker erweist. Die großen Aktionäre entmachten Serge auf eine erniedrigende Art und Weise und berufen Philippe Bouguignon, einen erfahrenen Manager aus der Hotel- und Freizeitindustrie, der dem Club Méd einen harten Sanierungskurs verschreibt. Vater und Sohn Trigano sehen sich nun um ihre Arbeit und ihren Einsatz betrogen. Der Club Méd, klagen die beiden, habe seine Seele verloren.

          GERALD BRAUNBERGER

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