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Rezension: Sachbuch : Zur Mehrung des Wohlstands

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Die internationale ökonomische Integration

          Jürgen E. Blank/Hartmut Clausen/Holger Wacker: Internationale ökonomische Integration. Verlag Franz Vahlen, München 1998, 229 Seiten, 38 DM.

          Die Zahl der in aller Welt existierenden Integrationen kann selbst der Fachmann nicht benennen. Jürgen E. Blank, Hartmut Clausen und Holger Wacker versuchen in ihrem Buch "Internationale ökonomische Integration", alle Integrationen zu erfassen, selbst wenn dieser Versuch - wie die Autoren selbst schreiben - von der Zeit eingeholt wird. Sinnvollerweise beginnt das Buch mit dem für das Thema Integration zentralen Aspekt "Freihandel versus Protektionismus". Leider enthält das Kapitel nichts, was in einem Lehrbuch der Außenhandelspolitik nicht auch erklärt wird. Einiges wird gar nicht erst erläutert, so daß Fragen offenbleiben. David Ricardos Theorem der komparativen Kostenvorteile wird ebenso als bekannt vorausgesetzt wie die Freihandelslehre von Adam Smith. Das Heckscher-Ohlin-Theorem wird schon auf Seite eins verwendet, wobei sich die Erläuterung (ohne Verweis darauf) erst auf Seite 136 findet. Unter keinen Umständen sollte der Leser aber schon hier das Handtuch werfen, denn die folgenden Kapitel halten, was der Titel des Buches verspricht.

          Zunächst wird Integration aus theoretischer und historischer Sicht erklärt. Als zentrale Aussage läßt sich festhalten: "Integration ist kein Selbstzweck, sondern soll der Erhöhung des Wohlstandes dienen (Seite 35)." Für jeden Kontinent werden vergangene sowie gegenwärtig existierende Integrationen beschrieben (hilfreich ist die tabellarische Übersicht auf den Seiten 54 bis 56), wobei bei der großen Anzahl detaillierte Erklärungen an dieser Stelle zu kurz kommen. Das gilt besonders für die Frage, warum einzelne Integrationen, vor allem in Lateinamerika, gescheitert sind. Die für diese Frage von den Autoren angekündigte Klärung in den nachfolgenden Kapiteln bleibt leider aus. Dafür sind die Kapitel über die Freihandelszone, die Zollunion, den Gemeinsamen Markt, die Monetäre Integration und die Wirtschaftsunion klar strukturiert.

          Auf eine theoretische Einführung folgt die Beschreibung anhand eines oder mehrerer praktischer Beispiele. Als Hauptbeispiel für Integrationspolitik dient Europa: Als Freihandelszone wird (neben der Nafta) die Efta dargestellt, die Zollunion anhand der Europäischen Gemeinschaft, der Europäische Binnenmarkt dient - trotz seiner bisher noch unvollständigen Umsetzung, die die Autoren unerwähnt lassen - als Erklärung für den Gemeinsamen Markt, und die monetäre Integration wird anhand der Währungsintegration in Europa erörtert. Den Schluß bildet die europäische Wirtschaftsunion. Jedes Kapitel wird, didaktisch geschickt, mit einem kleinen Block eröffnet, der anzeigt, was den Leser erwartet. Das letzte Kapitel "Quantitative Effekte ökonomischer Integration" dient offensichtlich dazu, die Entscheidung für oder wider eine Integration zu erleichtern. Aber wie bei jeder Modellanalyse können nicht alle Faktoren berücksichtigt werden, so daß eine eindeutige Aussage offenbleiben muß. Das Buch ist ein guter Einstieg für jeden Leser, der sich einen ersten Überblick über das Thema Integration verschaffen will. INDIRA GURBAXANI

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